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Dongfeng ist vor allem als Joint Venture-Partner deutscher Hersteller bekannt. Durch einen möglichen Zusammenschluss mit Changan und FAW könnte das Unternehmen jedoch in Zukunft zu einem der größten Autohersteller weltweit aufsteigen. Bild: Dongfeng

| von Wolfgang Gomoll

So mancher chinesische Autobauer ist im Ausland praktisch unbekannt – und trotzdem riesengroß. So wie Dongfeng, ein Staatskonzern mit Sitz in der zentralchinesischen Yangtse-Metropole Wuhan, der Joint Ventures mit gleich vier ausländischen Autobauern betreibt: Nissan-Renault, Honda, PSA und Kia.

Demnächst könnte die direkt der Zentralregierung unterstellte Dongfeng Motor Group sogar noch größer werden. Seit der Konzern vor einem Jahr eine strategische Partnerschaft mit den zwei anderen Staatskolossen Changan Automobile und First Automobile Works (FAW) einging, reißen Spekulationen über eine Megafusion nicht ab. Bisher weisen alle drei dies zurück – und planen offiziell nur Kooperationen bei Technologie, Export, Logistik und den Aufbau einer Ride-Hailing-Plattform. Im März gründeten die drei gemeinsam mit Partnern aus E-Commerce und IT ein Ride-Hailing-Joint Venture namens T3 Mobile Travel Services, an dem sie jeweils gut 16 Prozent halten.

„Wenn die Konsolidierung so wie erwartet stattfindet, wird das neue Mega-Unternehmen über Kapazitäten zum Bau von etwa zehn Millionen Autos und Lastwagen im Jahr verfügen“, sagt Michael Dunne von ZoZoGo, einer auf chinesische Mobilitätsfirmen spezialisierten Investmentfirma. Als Hauptgrund für den möglichen Merger sieht Dunne größere Effizienz bei der Entwicklung – etwa durch gemeinsame Nutzung von Plattformen – oder Kostensenkungen im Teile-Einkauf. Dunne erwartet zudem, dass der neue Megakonzern immer größere Anteile seiner Ressourcen auf den Aufbau eigener Marken aufwenden wird.

Dongfeng Motor baut Autos mehrerer Eigenmarken wie Venucia, Fengdu oder Fengshan, deren Modelle allerdings zumeist auf alten Modellen der Joint Venture-Partner wie Nissan oder PSA basieren. Insgesamt lieferte Dongfeng Motor 2018 3,83 Millionen Fahrzeuge aus. Auf der globalen Fortune 500-Liste rangierte es 2018 auf Rang 65. Gegründet wurde das Unternehmen 1969 als Second Automobile Works, weil Mao eine Autobasis im Hinterland wollte, das er als militärisch weniger verletzlich ansah. Es trug den Namen bis 1992.

Noch 2001 stellten Lastwagen drei Viertel des Produktionsvolumens – obwohl Dongfeng damals bereits begann, Gemeinschaftsfirmen mit Ausländern für den Pkw-Bau zu gründen. 2016 baute Dongfeng eine Fabrik in Iran für 30.000 Autos im Jahr, 2017 folgte eine Verkaufsorganisation in Russland. Dongfeng bedient damit die typischen Auslandsmärkte chinesischer Konzerne des Massensegments – außerhalb Westeuropas und der USA. Allerdings kaufte die Staatsfirma 2016 die schwedische T-Engineering, die sie seither als Entwicklungszentrum nutzt. Auf seiner Website nennt Dongfeng bis 2023 Auslandsverkäufe von jährlich 300.000 Einheiten als Ziel, sowie den Bau von drei bis fünf weiteren Werken im Ausland.

Im April wurde bekannt, dass Dongfeng die aktuelle Finanzierungsrunde für AutoX anführt, ein von Chinesen in Kalifornien gegründetes Startup für selbstfahrende Autos. Seit August testet AutoX selbstfahrende Liefervehikel für Lebensmittel in San Jose. In China besitzt AutoX ein Entwicklungszentrum in Shenzhen, wo es auch Fahrzeuge testet. Durch die Investition könnte Dongfeng der Einstieg in die neue Mobilität gelingen.