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Der US-Markt für Gütertransport liefert beste Bedingungen für den Einstieg eines großen Players. Bild: Uber

| von Alexandra Riegler

Der Onlinehandel in den USA wächst – und damit auch das Gütertransportaufkommen. Bis 2022, so die Analysten von Technavio, soll das Geschäftsvolumen bei 712 Milliarden Dollar liegen. Der Löwenanteil davon kommt aus dem Straßengüterverkehr.

Weil die Zahl von derzeit rund 1,75 Millionen Sattelzuglenkern dafür kaum ausreichend ist und die Bezahlung zudem meist zu wünschen übrig lässt, entscheiden sich immer mehr Trucker, ihr eigener Chef zu werden. Laut Federal Motor Carrier Safety Administration sei aktuell eine 70-prozentige Zunahme von Speditionen, die zwischen einem und sechs Sattelschlepper betreiben, zu sehen. Ergebnis: Ein stark fragmentierter Markt.

Tech-Riesen wie Amazon und Uber wittern ihre Chance. Für beide Firmen liegt der Einstieg ins Transportgeschäft nahe: Für Amazon ist es aus Kostengründen ein logischer Schritt, die Lieferung der eigenen Waren mehr und mehr in die eigene Hand zu nehmen. Auf der letzten Meile ist der E-Commerce-Riese ohnehin sehr aktiv. Uber wiederum ist Spezialist im Vermitteln von privaten Fahrten – dass der Blick irgendwann auch auf gewerbliche Touren fällt, verwundert wenig.

Erste Erfahrungen im Gütertransport sammelte das Unternehmen aus San Francisco mit dem Zustellservice UberRush. Die „Wette“ wie Uber es selbst nannte ging nicht auf: 2018 stellte man den Dienst ein. Mit Uber Freight und Powerloop stieg der Plattformanbieter kürzlich in die Langstrecke ein.

Uber weitet sein Geschäftsmodell auf die Logistikbranche aus und vermittelt Speditionsfahrten. Bild: Uber

Uber Freight ist das klassische Vermittlungsmodell, nur für Speditionsfahrten. Die App bringt leere Trucks und Transportaufträge zusammen. Teure Leerfahrten werden vermieden, die Speditionen freuen sich über volle Auftragsbücher und Uber bekommt ein Stück vom Kuchen ab.

Uber Powerloop geht noch einen Schritt weiter: Im Rahmen eines modernisierten Trailer-Pool-Geschäftsmodells werden fertig beladene Sattelauflieger vermietet. Wer eine freie Zugmaschine hat, zum Beispiel auf dem Rückweg einer Auslieferung, kann an einem Sattelauflieger andocken und gleich den nächsten Auftrag übernehmen. Die Trennung von Zugmaschine und Sattelauflieger ermöglicht das Be- und Entladen in Abwesenheit des Fahrers, was wertvolle Zeit spart und insgesamt zu einer flüssigeren Abwicklung in der Logistikkette führen soll.

Amazon wiederum arbeitet eher im Stillen am großen Logistik-Aufschlag. Laut amerikanischen Medien tüftelt der Gigant aus Seattle bereits seit Jahren an einem „Uber für den Gütertransport“. Während Amazon in Sachen Drohnen und Zustellroboter allerdings öffentlich sichtbar den Einstieg in die Logistik erprobt, lässt man die Öffentlichkeit auf der Langstrecke bislang noch im Dunkeln. 

Amazon dürfte künftig noch größer in den Transport der eigenen Waren einsteigen – auch mit autonomen Trucks. Bild: Amazon

CNBC liefert allerdings einen entscheidenden Hinweis: Wie der US-Nachrichtensender berichtet, testet Amazon aktuell Speditionsfahrten mit autonomen Trucks der Firma Embark. Zudem hat sich Amazon an Finanzierungsrunden der Startups Aurora (autonomes Fahren) und Rivian (Elektromobilität) beteiligt. Gut möglich also, dass Amazon bereits in Kürze einen entsprechenden Logistikservice öffentlich macht.

Auch hier ist Uber bereits weiter – sogar zwei Schritte. Denn nachdem man das auf autonome Trucks spezialisierte Startup Otto im Jahr 2016 aufgekauft hatte, erprobte Uber auf öffentlichen Highways entsprechende selbstfahrende Lkw. Wie Uber Rush wurde das Projekt allerdings schon wieder zu den Akten gelegt. Man wolle sich auf selbstfahrende Pkw konzentrieren.

Dennoch: Uber hat gute Chancen, sich über das Vermittlungsmodell auf dem stark fragmentierten US-Speditionsmarkt zu etablieren. Gleiches gilt für Amazon. Dabei müssen sich beide nicht unbedingt in die Quere kommen: Amazon dürfte sich zumindest vorerst aus Kosten- und Effizienzgründen auf den Transport der eigenen Waren konzentrieren und Speditionsfahrten nicht Dritten anbieten.

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