Ein weißer Kleinwagen von Daimler fährt durch die Stadt.

Daimler hat nicht nur die innovationsstärksten Mobilitätsdienste, sondern deckt auch das größte Spektrum ab. Bild: Daimler

| von Fabian Pertschy

Der Mobility Services Report nimmt die Entwicklungstrends im Bereich der Mobilitätsdienstleistungen in den wichtigsten globalen Märkten in den Blick. Die Studie kann kostenfrei heruntergeladen werden und erscheint in diesem Jahr am 3. November.

Die Rolle des reinen Autobauers hat ausgedient, das ist inzwischen eine Binsenweisheit. Zunehmend beschäftigen sich Unternehmen wie Daimler und BMW mit zukunftsträchtigen Geschäftsfeldern im Bereich der Mobilitätsdienstleistungen.

Die daraus resultierenden Entwicklungstrends wurden vom Center of Automotive Management (CAM) in Kooperation mit carIT analysiert und im „Mobility Services Report 2019“ (MSR) zusammengefasst. Über 750 Dienste von OEMs, Digitalplayern und Mobility Providern wurden bewertet und damit untermauert, wie enorm die Akteursvielfalt in den letzten Jahren zugenommen hat.

Konsolidierung der Services

Längerfristig werden sich laut Stefan Bratzel, Studienautor und Leiter des CAM, nur wenige der Plattformen durchsetzen. „Es wird und muss in den nächsten Jahren eine Konsolidierung der Services vonstattengehen“, prognostiziert der Branchenexperte. Um sich in der Frühphase des Mobilitätswandels zu positionieren, sollten die OEMs deshalb möglichst viele der 23 neuartigen Servicetypen abdecken.

Die Realität freilich ist eine andere: Obwohl Software und Dienstleistungen nach Bratzels Ansicht die wesentlichen Wertschöpfungselemente der Zukunft sein werden, haben über drei Viertel der 30 wichtigsten Autohersteller bisher kaum praktische Erfahrungen in den neuen Geschäftsfeldern gesammelt. Lediglich Daimler, BMW, Ford, Toyota und die VW Group bedienen mehr als 75 Prozent der Services.

E-Autohersteller können die geringe Anzahl zwar etwas kaschieren, da sie naturgemäß über einige Charging Services verfügen, doch selbst Tesla vernachlässigt bisher Dienste, die über das Laden hinausgehen. Die Volumenhersteller PSA und General Motors sind mit dem Carsharing Free2move und der Fahrdienstvermittlung Lyft hingegen vergleichsweise gut aufgestellt. Im Fall von GM macht sich allerdings bereits der Trend zur Konsolidierung deutlich. Das US-Unternehmen hat seinen Carsharing-Dienst Maven komplett eingestellt, da die hohen Investitionen und laufenden Kosten während der Coronakrise nicht mehr zu stemmen waren.

Eine Statistik zum Umfang der Mobilitätsdienste bei Autoherstellern aus dem MSR 2019.
Vielen OEMs mangelt es noch am Umfang der angebotenen Mobilitätsdienste. Quelle: CAM

Deutsche OEMs sind Spitzenreiter

Der MSR bewertet im Kern die Performance der Automobilunternehmen und subsumiert die Services unter sechs Haupttypen: Fahrdienstvermittlung, Carsharing, Micromobility, intermodale Dienste, Parkplatzdienste und Charging Services. Die Spitzenreiter bleiben dieselben: Daimler und BMW sind die Topperformer und haben ihre Dienste bereits in verschiedenen Märkten eingeführt und etabliert. Die Unterschiede zwischen den beiden sind hingegen marginal, immerhin haben sie die meisten ihrer Services in einem Joint Venture zusammengelegt und sich damit eine stärkere Marktpräsenz beim Carsharing gesichert.

Darüber hinaus verfügt Daimler mit der Turo-Kooperation über Peer-to-Peer-Carsharing und mit Blacklane über einen Chauffeurdienst. BMW bietet zusätzlich induktives Laden für seine E-Fahrzeuge an. Unter den High Performern kann sich Volkswagen mit Carsharing- und Auto-Abo-Angeboten wie WeShare oder Audi on Demand sowie der Park-App PayByPhone vom viertplatzierten Ford absetzen. Mit etwas Abstand folgen Geely und Volvo, die sich vor allem aufgrund des frühen Ausbaus von Auto-Abo-Modellen nicht im Mittelfeld wiederfinden.

Zu diesem zählen OEMs mit einer geringen Anzahl an Services wie Renault, PSA, GM und Tesla sowie überraschenderweise auch Big Player Toyota – sie schneiden nur in einzelnen Haupttypen gut ab. Die Schlusslichter in Sachen Performance sind mehrheitlich kleine oder chinesische Unternehmen, die ohnehin wenige Dienste anbieten. Sie befinden sich mit FCA, Subaru und Suzuki jedoch in Gesellschaft etablierter OEMs.

Eine Gesamtwertung zu den Mobiloitätsdiensten der Autohersteller aus dem MSR.
Deutsche Hersteller schneiden in der Gesamtwertung auffallend gut ab. Quelle: CAM

Kooperationen sind kein Erfolgsgarant

Das Ausgleichen von Kompetenzen im Bereich Software und Daten sowie Kooperationen mit Wettbewerbern und Playern aus dem Konnektivitätsbereich benennt Studienautor Stefan Bratzel als Grundlage für eine erfolgreiche Entwicklung. Dass Daimler und BMW die Themen multimodale Mobilität, Ladekonzepte, Ridehailing, Carsharing und Parken im Now-Serviceverbund angehen sowie weitere Kooperationen mit Firmen wie Bosch oder Here pflegen, scheint somit der Hauptgrund für die Leistungssteigerung gegenüber dem Vorjahr zu sein – von Investitionen in Höhe von einer Milliarde Euro und den auffällig hohen Anteilen an den Partnerunternehmen mal abgesehen.

Ein Erfolgsgarant sind derartige Modelle jedoch nicht. Ansonsten wären Volumenhersteller wie FCA oder Toyota deutlich leistungsstärker und die kleineren japanischen OEMs Mazda, Subaru und Suzuki würden sich nicht unter den Low Performern wiederfinden – alle drei setzen bei ihren Services ausnahmslos auf Kooperationen. Es ist diesen Unternehmen vielmehr nicht gelungen, ein attraktives Ökosystem von Mobilitätsdienstleistungen zu entwickeln und hohe Kundenrelevanz zu erzeugen.

Eine Statistik über Kooperationen bei Mobilitätsdienstleistungen aus dem MSR 2019.
Die Spitzenreiter Daimler und BMW besitzen bei Kooperationen häufiger einen Konzeranteil von über 50 Prozent. Quelle: CAM

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