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Saeed Amidi ist der große Drahtzieher, der auf seiner Innovationsplattform Plug and Play weltweit Unternehmen der Old Economy mit jungen Gründern verknüpft. Bild: Plug and Play

| von Claas Berlin

carIT: Herr Amidi, die digitale Wirtschaft verändert unseren Alltag mit hoher Geschwindigkeit. Wie schafft es die Automobilindustrie, nicht den Anschluss zu verlieren?

Amidi: Vor allem in den letzten fünf Jahren hat die Branche Beachtliches geleistet: Sie wächst weltweit, die meisten Hersteller verdienen richtig Geld. Eine komfortable Situation. Im Schatten dieses Erfolgs aber dürfen notwendige Erneuerungsschritte nicht auf die lange Bank geschoben werden. Aus meiner Erfahrung weiß ich: Läuft das Business gut, fällt es extrem schwer, die Prioritäten neu zu setzen. Natürlich wird überall an Trendthemen wie vernetzten Autos, Elektromobilität und dem autonomen Fahren gearbeitet. Aber das sind im Kern technische Innovationen, keine disruptiven Veränderungen des Geschäftsmodells.

carIT: Plug and Play ist als Innovationsplattform in den USA, in Europa und Asien aktiv. Welche Region hat im Moment die Nase vorn?

Amidi: Ich wage die Vorhersage, dass China ganz bestimmt die USA, vielleicht aber auch Europa und speziell Deutschland schon bald abhängen wird. Die Entwicklungen, die wir dort sehen, sind enorm: sowohl was ihre Quantität anbelangt als auch die Geschwindigkeit, mit der sie ablaufen. Neue Ideen werden dort innerhalb weniger Monate entwickelt und in Serie gebracht, nicht erst nach drei oder vier Jahren. Die Shanghai Automotive Industry Corporation SAIC zum Beispiel investiert allein im Silicon Valley jedes Jahr in 20 Startups. Deutsche OEMs und Zulieferer kooperieren ebenfalls mit jungen Gründern und gehen Kooperationen ein. Sie sind aber weitaus weniger aktiv.

carIT: Connected Mobility Services oder Customer Experience im Fahrzeug – wo spielt im Moment die Musik besonders laut?

Amidi: Diese Frage sollten Sie besser einem unserer Branchenpartner bei Startup Autobahn stellen. Wir bei Plug and Play sympathisieren definitiv mit dem sogenannten Amazon-Effekt oder der Apple-Experience – egal, wie Sie es nennen möchten: Kunden, Verbraucher und Anwender legen heute enormen Wert darauf, innerhalb des Ökosystem ihrer Wahl die bestmögliche Nutzererfahrung zu machen. Alles muss schnell gehen, bequem sein und zuverlässig funktionieren. Ein persönliches Beispiel: Mein Bruder setzt sich nur noch ungern ans Steuer seines Autos, nachdem er zwei Wochen lang mit dem Fahrdienst Uber unterwegs gewesen ist und gemerkt hat, welche Vorteile für ihn mit diesem Service verbunden sind. Eine über Jahrzehnte eingeübte Tradition wurde innerhalb weniger Tage aufgebrochen und hat zu einem nachhaltigen Wandel seines Mobilitätsverhaltens geführt. Und das hatte nichts damit zu tun, wie komfortabel sein eigenes Auto ausgestattet ist.

Redakteur: Ralf Bretting

Lesen Sie mehr zum Thema Startups in der Automobilindustrie in der nächsten Ausgabe von carIT, die am 27. März 2018 erscheint.

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