5G Association

In Berlin präsentiert die 5G Automotive Association, was mit dem neuen Mobilfunkstandard künftig möglich sein wird. Bild: 5GAA

| von Götz Fuchslocher

Reales Gedankenspiel in einer Mercedes E-Klasse. Der Benz ist vollautonom auf Level 5 unterwegs, hat keinen Fahrer an Bord und verliert mangels Karten den Überblick, was einen Sicherheitsstopp auslöst. Mitten im Verkehrsgewühl. Doch das Hindernis auf vier Rädern ruft Hilfe und wird flugs ferngesteuert aus der Gefahrenzone manövriert. Bei der Live-Demo der 5G Automotive Association (5GAA) in Berlin funktionierte das Remote-Operated Driving (ROD) via Mobilfunk schon recht gut. „Das ist zwar noch eine ferne Anwendung, doch sie fußt auf einer Technologie, die jetzt schon greifbar ist“, sagt Oliver Sawade vom Fraunhofer-Institut FOKUS, das, unterstützt von Daimler und Huawei, unter anderem an ROD arbeitet. Praktisch sofort einsetzbar ist die Warnung im Fahrzeug vor Wanderbaustellen, bei denen die sich bewegenden Baufahrzeuge direkt von Fahrzeug zu Fahrzeug ihre Meldungen tickern, damit Fahrer beizeiten vom Gas gehen und ausweichen können. Oder: Erhöht sich vorne in einer Kolonne der Bremsdruck eines Autos ungewöhnlich stark, wird die Info blitzschnell direkt an die nachfolgenden Fahrzeuge geschickt, um Auffahrunfälle zu vermeiden.

Die Message der Berliner 5GAA Live-Veranstaltung war klar: Die Zukunft ist jetzt. Und sie gehört nicht unbedingt der Kommunikation über WLAN, sondern Cellular Vehicle-to-Everything. „C-V2X ist so vielseitig ein Schweizer Armeemesser und besonders für die Autoindustrie interessant“, sagte Maxime Flament, Chief Technology Officer bei 5GAA, „Vernetzte Mobilitätsstandards sind keine Zukunftsvision mehr, sondern als erste Anwendungen marktgängig.“ Das freilich noch über LTE. 5G werde für einen Push sorgen. Gerade was den optimierten Verkehrsfluss und mehr Sicherheit für Fahrer, Fußgänger und Radfahrer anbelangt.

Riesenvorteil ist der direkte und schnelle Informationsaustausch der Verkehrsteilnehmer untereinander und die Datenverarbeitung um die Ecke per Multi-Access Edge Computing (MEC), wodurch auch große Datenmengen, etwa um HD-Karten zu aktualisieren oder Videos auszuwerten, mit niedrigsten Latenzen verarbeitet werden können. „Ultrakurze Übertragungszeiten sowie die zuverlässige und präzise Verbreitung sicherheitsrelevanter Informationen sind unabdingbar für vollautomatisches Fahren“, betont Uwe Pützschler, Head of Car2X bei Nokia Networks, „Die zu erwartenden Datenmengen werden nicht mehr zentral verarbeitet werden können.“

Die Verheißung heißt 5G. Die Autoindustrie setzt darauf, was sich auch daran zeigt, dass aus acht 5GAA-Gründungsmitgliedern der erst vor knapp drei Jahren gegründeten Organisation mittlerweile 118 Mitglieder geworden sind, darunter fast alle großen Autohersteller, Tier-1-Zulieferer, Softwareentwickler, Mobilfunkbetreiber, Halbleiterunternehmen, Telekommunikationsanbieter und Straßenbetreiber.

Auch wenn die Use-Cases von Ford, ein Unfall-Warner über eCall und ein Frühwarnsystem, das sich nähernde Rettungsfahrzeuge anzeigt und zu einer Rettungsgasse anleitet, mit derzeit verfügbarer Mobilfunktechnik arbeiten, vertraut der Autobauer auf 5G. Tobias Wallerius von Ford spricht von einem „evolutionären Prozess“. Doch die Kölner setzen ein klares Zeichen: Ab 2022 werden Ford-Neuwagen in den USA und bereits ein Jahr früher in China 5G-ready sein. Der Mobilfunkstandard könne schnell eingesetzt werden, denn schon heute sind Millionen Autos mit SIM-Karten ausgerüstet. Umso verwunderter sind viele der 5GAA-Mitglieder, dass Autos und Infrastruktur EU-weit wahrscheinlich über WLAN und nicht Mobilfunk vernetzt werden sollen – während sich China für 5G entschieden hat.

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