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Bild: Pace

| von Ralf Bretting

Vernetzte Mobilität ist das große Zukunftsthema der Automobilbranche. TV-Werbespots für neue Modelle pushen schon heute vor allem ein Thema: Konnektivität. Der Großteil der Kfz-Besitzer hierzulande aber dürfte sich wohl noch etliche Jahre von der smarten Fahrerfahrung entfernt sehen. Grund: Das Durchschnittsalter der Autos, die in Deutschland zugelassen sind, nimmt weiterhin zu und lag 2016 bei rekordverdächtigen 9,2 Jahren (2006: acht Jahre).

Damit nicht genug: Die von OEMs integrierten Lösungen zeichnen sich zwar durch hohe Forschungs- und Entwicklungskosten aus und sind entsprechend teuer, gehen häufig aber an den Kundenbedürfnissen vorbei. Kein Wunder, dass immer mehr Zulieferer, aber auch branchenfremde Anbieter wie IT- und Versicherungskonzerne sowie Startups in den Markt drängen und spezifische Nachrüstlösungen anbieten. Sie sind günstig, lassen sich einfach und schnell anschließen und bieten viele unterschiedliche App-basierte Services.

„Wir erwarten, dass bis 2020 in ganz Europa mehr als 90 Millionen Autos über Nachrüstlösungen verfügen werden“, prognostizieren die Automotive-Experten der Unternehmensberatung Roland Berger in einer aktuellen Studie. „Dagegen werden nur etwa 70 Millionen Fahrzeuge mit integrierten Systemen ab Werk ausgestattet sein“, so Autor Philipp Grosse Kleimann.

Viele Automobilhersteller hinken der Vernetzung ihrer Fahrzeuge hinterher. Obwohl Kunden durchaus einen hohen Mehrwert in online-basierten Anwendungen sehen, war 2015 gerade mal ein Drittel der Neuwagen mit entsprechenden integrierten Lösungen ausgestattet. Die Musik spielt vor allem jenseits klassischer Fahrerdienste wie Verkehrslage, Wetterbericht oder Tankstellensuche. Die in Deutschland entwickelte App Pace – knapp 100 Euro teuer und von mehr als 3500 Interessenten via Crowdfunding-Plattform Kickstarter bereits vorbestellt – will zum Beispiel helfen, das Fahrverhalten zu optimieren.

Für ein Feedback in Echtzeit werden Daten über die Diagnoseschnittstelle (OBD2-Port) ausgelesen und auf dem Smartphone-Bildschirm grafisch aufbereitet. Die Anzeige aktualisiert sich zwei bis dreimal pro Sekunde und hat so gut wie keine Verzögerung. Auch Elektronikriese Samsung setzt mit seiner Nachrüstlösung am OBD2-Adapter an. Connect Auto liest Fahrzeugdaten aus und stellt über eine integrierte SIM-Karte obendrein einen WLAN-Hotspot zur Verfügung.

Das ist im Moment eine der populärsten Funktionen: iPad, Notebook oder Smartphone lassen sich direkt mit dem Internet verbinden, Passagiere können im Auto surfen, Musik streamen und auf Online-Daten zugreifen. Noch hat Samsung keine Preise veröffentlicht, wohl aber versprochen, dass sie wettbewerbsfähig sein würden. Bedeutet: Knapp 30 Euro Anschaffung plus monatliche Datenflatrate, die bei einem Volumen von vier Gigabyte inzwischen für deutlich unter zehn Euro zu bekommen ist.

Branchenfremde Anbieter zielen aber nicht nur auf In-Car-Daten, die sie über die Bordelektronik abgreifen und in ihrer Software veredeln. Das US-amerikanische Startup FenSens geht noch einen Schritt weiter und bietet seit letztem Jahr eine Einparkhilfe zum Nachrüsten an. Die Ultraschallsensoren sitzen in den Halterungen der Nummernschilder und erkennen Hindernisse im Umkreis von drei Metern. Der Einführungspreis in den USA lag bei 88 Euro.

Dieser Artikel erschien erstmals in carIT 02/2017

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