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In Berlin geben BMW-Chef Harald Krüger und Daimler-Chef Dieter Zetsche erste Details des gemeinsamen Mobilitätsunternehmens bekannt. Bild: BMW

| von Claas Berlin

Traumhochzeit oder Zweckgemeinschaft lautet die Frage, die bei der gemeinsamen Pressekonferenz von Car2Go (Daimler) und DriveNow (BMW) in Berlin die Runde macht. Ganz ohne romantische Verklärungen kann man beim Zusammenschluss der beiden Automotive-Riesen wohl aber von einem Bündnis der wirtschaftlichen Vernunft sprechen.

Nach vielen Jahren, in denen die Konzernzentralen in Stuttgart und München turnusmäßig bescheidene Quartalsergebnisse ihrer Dienste präsentierten, schien die Zusammenlegung von Car2Go und DriveNow nur eine Frage der Zeit. Und hinter vorgehaltener Hand wurde über die Fusion der beiden Mobilitätsunternehmen längst gesprochen, bevor im März 2018 die offizielle Bestätigung folgte.

Dann blieb es lange Zeit ruhig – bis zum heutigen Tag. Mit dem Zusammenschluss schaffen die beiden OEMs unter der Dachbezeichnung Your Now einen neuen globalen Mobilitätsdienstleister in den Bereichen Carsharing, Ridehailing, Parking, Charging und Multimodalität. In Summe 60 Millionen aktive Nutzer aller Dienste in Europa und Amerika, Investitionen von einer Milliarde Euro und die Schaffung von 1.000 neuen Jobs sind die Sphären, in denen sich die neue Mobilitätsmarke bewegt.

Unter der Dachmarke Reach Now bieten die beiden Unternehmen künftig verschiedene Mobilitätslösungen auf einer multimodalen Plattform an, die app-basiert genutzt werden kann. Unter anderem können hier Nahverkehrs-Tickets, Carsharing-Fahrzeuge, Ridehailing-Fahrten oder Leihräder gebucht und bezahlt werden. Ein ähnliches Modell bietet der Service Charge Now im Zusammenhang mit Ladelösungen für E-Autos. Hinzu kommt mit Park Now ein Dienst, der es Kunden ermöglicht, Parkplätze zu reservieren und zu bezahlen, sowie die Ridehailing-Plattform Free Now, auf der Taxen, Mietwagen mit Chauffeur oder E-Scooter bestellt werden können. Unter der Submarke Share Now werden künftig die beiden Carsharing-Services DriveNow und Car2go firmieren. Der Dienst verfügt in Summe über vier Millionen Kunden in 31 internationalen Metropolen. Der Fuhrpark wächst auf 20.000 Fahrzeuge. Die Share Now-Zentrale siedelt sich in Berlin an.

„Auf anderen Märkten bleiben Daimler und BMW sicherlich Konkurrenten, aber mit unseren Mobilitätsangeboten haben wir eine starke Kundenbasis aufgebaut. Nun gehen wir den strategisch nächsten Schritt“, sagt Daimler-CEO Dieter Zetsche gegenüber den Journalisten in Berlin. BMW-Chef Harald Krüger ergänzt: „Die Kooperation ist für uns der optimale Ansatz, um in einem Wachstumsmarkt die Chancen zu maximieren und gleichzeitig Investitionen zu teilen.“

Und die Vorzeichen für den neuen Dienst stehen zumindest in Deutschland nicht schlecht. Laut Zahlen des Bundesverbandes Carsharing (BCS) nutzen mittlerweile knapp 2,6 Millionen Bundesbürger entsprechende Dienste. Das stationsunabhängige free-floating-Prinzip, dem sich auch Car2Go und DriveNow verschrieben haben, verzeichnete im vergangenen Jahr Kundenzuwächse von 14,9 Prozent.

„Die seit Jahren positive Entwicklung im deutschen Carsharing-Markt zeigt: Immer mehr Menschen wollen verantwortungsvoll mit der Ressource Auto umgehen und die Verkehrswende praktisch mitgestalten“, kommentiert BCS-Geschäftsführer Gunnar Nehrke die aktuelle Erhebung.

Abseits von Europa könnte sich das Marktumfeld für Your Now aber als schwieriges Terrain erweisen, mutmaßt Automobilexperte Stefan Bratzel: „In Amerika fehlt ein gut ausgebauter ÖPNV. In diese Lücke sind bereits Fahrdienstvermittler wie Uber und Lyft getreten. Auch in China gibt es mit Didi Chuxing einen finanzstarken Akteur, der den örtlichen Markt beherrscht.“

Dennoch könnten BMW und Daimler mit ihrem gemeinsamen Service in Zukunft punkten, glaubt der Leiter des Center of Automotive Management (CAM) aus Bergisch Gladbach. „Das Wachstumspotenzial für Carsharing ist definitiv da. Es gehe nun vor allem darum, aus Sicht des Kunden eine Plattform zu schaffen, die verschiedene Mobilitätsdienste vereint“,  so Stefan Bratzel.

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