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VW Passat – achte Generation

| von Hilmar Dunker

Mehr noch als am Golf lässt sich am größeren Passat die Entwicklung der Marke VW nachvollziehen. Während der Kompaktbestseller praktisch von Beginn an in Deutschland und schnell auch in Europa seine Klasse dominierte, war der Passat zunächst nur ein weiteres Mittelklasse-Angebot. Doch schon in der jetzt auslaufenden Generation bewegt sich der Wolfsburger als Limousine wie als Kombi (Variant) sowohl beim Preis als auch beim Image zwischen den Welten der eher bürgerlichen Volumenmodelle vom Schlage eines Ford Mondeo oder eines Opel Insignia und den sogenannten Premiumangeboten von Mercedes (C-Klasse), BMW (3er) und natürlich auch Audi (A4). In der Ende November startenden achten Generation sind Designer und Techniker noch einen ganzen Schritt weiter gegangen. Der jetzt in Berlin vorgestellte neue Passat orientiert sich optisch, technisch und beim Qualitätseindruck offensichtlich nach oben. Dabei soll der Passat noch nicht einmal viel teurer werden, die Limousine wird in Deutschland ab 25.875 Euro kosten, nur 500 Euro mehr als bisher. Für den Variant werden stets 1.075 Euro Aufpreis fällig, das Basismodell kostet also 26.950 Euro. Der Passat realisiert seinen neuen Ehrgeiz übrigens nicht plump über größere Abmessungen. Dort hat sich sogar auf den ersten Blick nur wenig getan: Kombi und Limousine (je 4,77 Meter) bleiben in der Länge identisch und werden nur marginal breiter (+1,2 Zentimeter). Allerdings wirkt die Silhouette des VW dank 1,4 Zentimeter weniger Höhe dynamischer und satte 9 Zentimeter mehr Radstand (2,80 Meter) sorgen für komfortablere Platzverhältnisse. Vor allem die Fond-Passagiere profitieren davon und der Kofferraum im Variant fast jetzt 47 Liter mehr, in der Limousine beläuft sich das Plus auf 21 Liter. Wie mittlerweile bei neuen Modellen üblich, wiegt der Wolfsburger auch weniger als bisher, je nach Karosserievariante, Motorisierung und Ausstattung können es bis zu 85 Kilo sein.

Innen überzeugt der Passat mit weich hinterschäumten Kunststoffen, dem für die Marke typisch übersichtlichen und aufgeräumten Cockpit sowie augenscheinlich bester Verarbeitung. Allerdings erinnert Aufmachung und Art des Innenraums auch in vielerlei Hinsicht an die teureren Versionen des Golf. Gegen Aufpreis kann das Fahrzeug mit einem 12,3 Zoll großen Display ausgerüstet werden, auf dem die ansonsten analogen Instrumente digital dargestellt werden. Eine kleine Enttäuschung hält der Wolfsburger dann aber doch für uns bereits: Das erstmals bestellbare Head-up-Display spiegelt nicht etwa aufwendig (und teuer) direkt in die Frontscheibe, sondern nur auf eine ausfahrende Plexiglasscheibe. Das kennen wir so eher von Peugeot-/Citroen-Modellen. Außen zeigt dann der VW mit seinem üppig verchromten Kühlergrill, wohin die Reise gehen soll: nämlich weiter nach oben. Ansonsten setzten die Designer um Klaus Bischoff auf Zurückhaltung mittels klarer, horizontaler Linien und einem offensichtlich auf Langlebigkeit ausgelegten Gesamtbild. Die durch den verlängerten Radstand kürzeren Überhänge vorne (- 6,7 cm) und hinten (-1,3 cm) sorgen für eine sportlichere Optik. Dazu trägt auch eine unten um das Fahrzeug umlaufende Chromleiste bei, die den Passat geradezu auf die Straße zu pressen scheint. „Ziel war ein echter Klassensprung“, beschreibt Bischoff das Lasterhaft. Zu diesem Bild eines Premium-Produkts passt das Motorenangebot. Volkswagen bietet moderne Vierzylinder-TSI-Benziner mit 1,4; 1,8 oder 2,0 Liter Hubraum, die ein Leistungsspektrum von 125 bis 280 PS abdecken. Wichtiger noch zumindest in Deutschland und Europa sind die TDI-Motoren. Der Passat kann mit einem 1,6-Liter-Diesel (120 PS) oder einem 2,0-Liter ausgerüstet werden. Letzterer wird in drei Leistungsstufen mit 150, 184 oder 240 PS erhältlich sein. Vor allem die Werte des stärksten Selbstzünders lassen einiges erhoffen. Die 240-PS-Variante wird von zwei Turboladern unterstützt, entwickelt 500 Nm Drehmoment und ist stets einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG) versehen. Wie die Benziner-Spitzenmotorisierung ist auch beim stärksten Diesel Allrad immer an Bord. Trotzdem sollen im Durchschnitt nur 5,3 Liter pro 100 Kilometer durch die Leitungen fließen. VW verweist stolz darauf, dass es sich hier um den derzeit stärksten Vierzylinder-Diesel der Welt handelt.

Zu einem späteren Zeitpunkt will Volkswagen einen Plug-in-Hybriden nachschieben. Der wird eine Kombination aus Benzinmotor (1,4-Liter, ca. 160 PS) und Elektromotor (ca. 109 PS) an Bord haben. Im Prinzip handelt es sich dabei um die gleiche Technik, wie sie in den Plug-in-Hybriden Audi A3 e-tron und im Golf GTE zum Einsatz kommt. Der Passat soll rein elektrisch bis zu 50 Kilometer fahren können, die Gesamtreichweite um die 1.000 Kilometer betragen. Ein Mittelklasse-Fahrzeug mit diesem Anspruch muss auch in Sachen Assistenzsysteme ganz vorne mitfahren. Der neue Passat kann gegen Aufpreis mit allerlei feinen Sachen ausgerüstet werden. Zum Beispiel mit einem Stauassistenten, der bis zum Stillstand abbremst oder mit einem Notbremssystem, das sogar auf überraschend aus einer Parklücke laufende Menschen noch reagieren kann. Für Anhänger von Anhängern dürfte der neue Trailer-Assist eine echte Hilfe sein, der das schwierige Rangieren mit einem Anhänger übernimmt. Einen Passat CC wird es nicht mehr geben – einen CC allerdings schon. Nur wird der eben nicht mehr „Passat“ im Namen tragen. Während der neue Passat für VW-Chef Martin Winterkorn nichts weniger als eine „neue Ära in der Mittelklasse“ einläuten soll, darf der neutrale Beobachter zumindest konstatieren, dass die achte Generation des Erfolgsmodells ein Stück Luxus in die häufig graue Mittelklasse bringt. Zum Luxus einer Mercedes C-Klasse oder des nächsten A4 hält der Passat aber dann doch noch Abstand – zum Glück auch preislich. sp-x

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