| von Stefan Grundhoff

Schade, dass die Diesel in den vergangenen fünf Jahren derart in Verruf geraten sind. Denn der Golf war gerade in seiner leistungsstärksten Selbstzünderversion schon immer eine echte Versuchung. Da macht der erste Golf GTD, der statt der üblichen 54 PS des Saugers die Kunden immerhin mit aufgeladenen 51 kW / 70 PS lockte, keinerlei Unterschied zum neuen Modell. Der jüngste Golf 8 bekam als GTD einen Nachschlag auf 147 kW / 200 PS. Der sportlichste aller Diesel-Gölfe macht Laune, auch wenn er nicht so kraftvoll, bullig und bissig am Gas hängt wie der GTI, der aktuell mit 245 bis 300 PS verfügbar ist. Doch die 200 PS sind zusammen mit strammen 400 Nm maximalem Drehmoment gerade in der Dieselversion eine echte Versuchung, denn der Wolfsburger schiebt bullig, wenn auch nicht wild an und hat gerade aus dem Drehzahlkeller einiges auf dem Kasten. Mann kann darüber streiten, ob es in der Kompaktklasse ein Diesel sein muss, denn gerade bei Fahrleistungen von unter 15.000 Kilometern ist der GTI-Benziner wohl sehr eindeutig die bessere Wahl.

Doch wer einmal auf einer lagen Autobahnpassage mit dem GTD-Golf unterwegs war, wird kaum einen Skoda Octavia oder gar den deutlich größeren Passat mit einem ähnlichen Leistungsangebot vermissen. Gerade die Kombination mit dem siebenstufigen Doppelkupplungsgetriebe, einem fein abgestimmten Fahrwerk und einer perfekten Sitzposition gefällt Fahrern jeder Colour. Der VW Golf GTD hat keine echte Schwäche, denn er kann beinahe alles: sportlich, lässig, ambitioniert, kurz in die City oder eine lange Autobahnpassage. Passt für ein bis zwei Personen und entsprechendes Gepäck, denn ein 4,29 Meter langer Golf ist trotz des ordentlichen Platzangebots im Fond nichts für vier oder gar fünf Passagiere. Doch diese feine Rückmeldung von der Lenkung, der sparsame Realverbrauch und eine exzellente Vernetzung sind Vorteile, die den Niedersachsen allemal begehrlich werden lassen. Da schaut man über die wenig eingängige Bedienung oder die allzu empfindlichen Tasten des Touchlenkrades gerne hinweg. Dabei dürfte er dem deutlich sportlicheren, deutlich bissigeren Golf GTI mit seinem nennenswerten Leistungsplus kaum Kunden abluchsen. Aber wer einen exzellenten Kompromiss aus Spaß und Komfort in der Kompaktklasse sucht, sollte sich einmal in den Golf GTD setzen, wenn er 20.000 oder mehr Kilometer im Jahr zurücklegen will.

Dabei fährt der kompakteste GTD kraftvoller und bulliger als die Plug-in-Hybriden mit dem zusätzlichen Elektromotor, die wahlweise 150 kW / 204 PS (eHybrid) oder 180 kW / 245 PS (GTE) leisten. Der sehr deutlich spürbare Unterschied ist der zwei Liter große Commonrail-Diesel, der prächtig passt und willig dreht. Aus dem Stand beschleunigt der nur als Fronttriebler erhältliche Golf GTD in 7,1 Sekunden auf Tempo 100 und schafft 245 km/h Spitze - ein Klassewert. Die beeindruckende Höchstgeschwindigkeit ist beinahe ebenso imposant wie der sparsame Normverbrauch, denn die 4,4 Liter Diesel auf 100 Kilometer lassen sich durchaus schaffen und selbst bei flottem Tempo steht noch eine Fünf vor dem Komma. Die Topverbräuche der Plug-in-Hybriden gibt es nur bei vollgeladenem Akkupaket mit einer Reichweite von gut 60 Kilometern.

Für den Basispreis von allerdings stattlichen 38.114 Euro gibt es jedoch nicht mehr als eine solide Ausstattung mit Sportsitzen, 17-Zoll-Alufelgen und LED-Scheinwerfern; doch drücken Navigationssystem, Head-up-Display, Komfort- / Winterpaket, adaptive Dämpfer, Fahrerassistenzmodule oder die optisch mehr als sinnvollen 19-Zöller den Preis des 200-PS-Golf problemlos an oder über die 45.000-Euro-Marke. Und das ist dann doch etwas happig für den Spaßdiesel. Da ist der nahezu identisch ausgestattete VW Golf GTI sogar noch 2.500 Euro günstiger und das Mehr an zu erwartender Laufleistung muss das Minder an Fahrspaß ausgleichen. So wird es der exzellente VW Golf GTD gerade im Schatten des Golf GTI im Markt nicht leicht haben. Doch besser schnell noch zuschlagen, denn wer weiß, ob es den Golf langfristig noch als derart leistungsstarken Selbstzünder geben wird?

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