Fahrbericht Mini Cooper SE
| von Stefan Grundhoff

 

Man kann trefflich darüber streiten, ob es sinnvoll ist, große SUV oder Luxuslimousinen mit einem Elektromotor zu bestücken. Diese tragen schnell 500 bis 700 Kilogramm Akkus mit sich herum und verwöhnen die Insassen kaum mit einer vermittelbaren Symbiose aus Alltagsnutzen, Reichweite sowie Reisegeschwindigkeit. Das sieht bei einem Klein- oder Kompaktwagen schon anders aus. Und so sind Elektroantriebe für Modelle wie Smart Fortwo / Forfour, VW Up, Skoda Citigo, Renault Zoe oder den lässigen Honda e oftmals genau das richtige. Da macht der Mini Cooper keine Ausnahme, denn als Langstreckenmobil dürfte den Briten kaum jemand in der eigenen Garage stehen haben.

Bereits vor zehn Jahren schickte Mini eine Testflotte elektrischer Minis um die Welt. Die Aufmerksamkeit stimmte, nur an der Serienumsetzung haperte es. Weil die Kooperation zwischen Great Wall und Mini für die kommende Mini-Generation noch keine Serienfrüchte trägt, gibt es eine hörenswerte Überbrückungsmusik, denn der Mini Cooper ist künftig nicht nur als Benziner oder Dieselmodell, sondern auch mit Elektroantrieb zu bekommen. Und es dürfte der erste Mini der Neuzeit sein, der als echtes Schnäppchen durchgeht. Denn mit einem Basispreis von 32.500 Euro ist der Mini Cooper SE 1.200 Euro günstiger als der identisch ausgestattete Verbrennerbruder Mini Cooper S. Vom Staat gibt es weitere 6.000 Euro am Zuschuss – macht unter dem Strich einen Preisunterschied von 7.200 Euro bzw. einen Preis von 26.500 Euro in der ordentlichen Basisausstattung inkl. Klimaautomatik, LED-Scheinwerfern, Navigationssystem und den animierten Instrumenten. Selbst mit guter Ausstattung liegt der Cooper SE dann unter 30.000 Euro.

Dabei bedient er sich weitgehend der Antriebstechnik des bekannten BMW i3s. Surrt der 135 kW / 184 PS starke Elektromotor bei diesem an der Hinterachse, wurde das ganze System beim Mini einfach rumgedreht und im Vorderwagen verbaut. Durch die Lage der Batterie im Fahrzeugboden wird der Innenraum des Cooper SE ebenso wenig eingeschränkt wie der Laderaum, dessen Volumen zwischen 211 und 731 Litern beträgt. Das Mehrgewicht hält sich ebenfalls in Grenzen, denn der elektrische Mini wiegt 145 Kilogramm mehr als das vergleichbare Modell des Cooper S mit Getriebeautomatik.

Der Rest des Fahrspaßes ist typisch Mini – und typisch Elektro. Der Elektromotor macht dem 1.440 kg schweren Mini mächtig Beine. 0 auf Tempo 100 in 7,3 Sekunden, Dank 270 Nm imposante Zwischenspurts aus jeder Lage und ein Fahrverhalten, das wohl noch etwas mehr begeistern kann, als das immer wieder manisch heruntergebetete Go-Kart-Gefühl. Klingt zwar nach wirrem Marketing-Bla-Bla – ist aber eben spürbar und sogar noch mehr als beim direkten Konkurrenten aus dem eigenen Stall, dem Mini Cooper S, dessen Zweiliter-Turbo-Vierzylinder mi 192 PS nur ein paar Pferdchen mehr auf den Fahrer loslässt. Der Zugewinn an Fahrspaß hat einen einfachen Grund. „Dadurch, dass die Akkus im Kardantunnel und unter der Rückbank untergebracht sind, haben wie eine bessere Gewichtsverteilung von 54 Prozent vorn und 46 Prozent hinten“, erläutert Hermann Spranger, verantwortlich für die Fahrwerksentwicklung des elektrischen Mini Cooper. Die normalen Mini-Modelle haben ihr Gewicht ungünstiger zwischen 70:30 und 60:40 zwischen den Achsen verteilt.

Im Stadtverkehr oder auf der Landstraße macht der Mini Cooper SE so richtig Laune. Er klebt auf der Fahrbahn, gefällt mit seinem niedrigen Schwerpunkt und klasse Gasannahme. Ein Tritt auf das Gaspedal und die Post geht mächtig ab. Wie man den elektrischen Mini dabei bewegt, lässt sich über den Fahrprogrammschalter und einen Kipptaster neben dem Starterknopf variieren. Wer das Auto ähnlich einem Verbrenner rollen lassen möchte, der wählt die kleine Rekuperationsstufe, die den Fronttriebler gerade einmal mit mäßigen 0,11 g verzögert. Bei der zweiten Stufe mit 0,19 g verzichtet man auf das freie Rollen und fährt allzeit mit dem rechten Fuß auf dem Pedal und der maximalen Rekuperation. Auch wenn der elektrische Mini aussieht wie ein ganz normaler Mini, ist sein Aufbau komplett anders. „Wir haben eine komplett andere Bodenplatte“, ergänzt Hermann Spranger, „zudem bringt ein Bauteilschutz im Vorderwagen und eine geänderte A-Säule mehr Steifigkeit. Der Elektromotor wird über einen Hilfsrahmen in den Motorraum eingesetzt.“

Wenn es überhaupt etwas auszusetzen gibt, dass sind es die Höchstgeschwindigkeit und allenfalls die maximale Reichweite. Eine geplante Höchstgeschwindigkeit von abgeregelten 150 km/h ist für einen elektrischen Mini mit den fahrdynamischen Ansprüchen einfach zu wenig; auch weil der ähnlich starke Mini Cooper S mit Benzinmotor problemlos mehr als 220 km/h rennt. Die maximale Reichweite soll zwischen 235 und 270 Kilometern liegen. Danach muss das Akkupaket mit seinen 32,6 kWh wieder an die Steckdose. Und Mini ist einer der wenigen Hersteller, der einem bei der Nachladung keinen Sand in die Augen streut und nur Ladezeiten bis 80 Prozent kommuniziert. Wer tankt schon 80 und nicht 100 Prozent? Und das dauert beim 200 Kilogramm schweren Lithium-Ionen-Akku im Unterboden maximal 1,4 Stunden bei einem 50-kW-Lader.