ZF Friedrichshafen AG: Technology Days in Friedrichshafen

Nach der Vorstellung des Technologie-Konzerns ZF schafft auf den Betriebshöfen von morgen der autonome Lkw die nötige Ordnung und Präzisio. Bild: ZF

| von Werner Beutnagel

Nutzfahrzeuge sind technologisch auf der Überholspur unterwegs, das kann man einmal mehr an den Innovationen der diesjährigen IAA (20. bis 27. September) in Hannover ablesen. Außenspiegel statt Kameras, autarke Anhänger, elektrische Lieferwagen oder teilautonome Brummis: Wie es morgen und übermorgen auf Europas Straßen aussieht, wird unter dem Hermesturm zu sehen sein.

Wie dem steigenden urbanen Transportaufkommen zu begegnen ist, zeigt auf andere Weise unter anderem Zulieferer ZF und bietet mit dem elektrischen und autonomen Prototypen des „Innovation Van“ eine Entlastung für die gestressten Paketboten. Liegen zwei Adressen so nah beieinander, dass der Zusteller den Weg schneller zu Fuß zurücklegt, lässt sich der Transporter per Tablet fernsteuern und folgt dem Auslieferer wie von Geisterhand. Findet der Paketbote keinen Parkplatz, steigt er an der Lieferadresse einfach aus und schickt den Innovation Van alleine zur nächsten Haltemöglichkeit.

Mittels künstlicher Intelligenz will Automobilzulieferer Continental das Rechtsabbiegen von Lkw sicherer machen. Bild: Continental

In den vergangenen Wochen hat das Verkehrsministerium die Problematik des Toten Winkels bei Lkw wieder ins Gespräch gebracht. Dass Assistenzsysteme beim Lkw im Kommen sind, kann man auch auf der IAA sehen. Mittels künstlicher Intelligenz will Automobilzulieferer Continental das Rechtsabbiegen der Lkw sicherer machen. So ausgestattet soll das Assistenzsystem in wenigen Jahren eine Verkehrssituation interpretieren, den Fahrer warnen oder von alleint notbremsen. Vorher kommt aber die zweite Generation des Rechtsabbiegeassistenten auf den Markt, die Radar- und Kamerasensoren kombiniert. Beide neuen Varianten zeigt der Zulieferer in Hannover.

Der Actros ist der erste Serien-Lkw mit Kameras statt Außenspiegeln. Bild: Daimler

Ebenfalls künftig zur Sicherheit beim Rechtsabbiegen und zur besseren Übersicht beitragen sollen Kameras, die die Außenspiegel ersetzen. Wenn der ab der Messe bestellbare Mercedes Actros im Frühling 2019 ausgeliefert wird, ist er der erste Serien-Lkw mit dieser Technik. Das System besteht aus zwei außen am Fahrzeug angebrachten Kameras und zwei 15-Zoll-Displays innen an den A-Säulen, auf die das Kamerabild übertragen wird. Mit einer speziellen Rangieransicht für das Rückwärtsfahren mit Trailer, Nachtsicht-Modus für die Dunkelheit und einer schnellen Aktivierungsmöglichkeit bei Verdacht auf Ladungsdiebstahl unterstützt das System den Fahrer zusätzlich. Auch bietet der Wegfall der Spiegel aerodynamische Vorteile, was unter anderem für eine Verbrauchsreduzierung von bis zu fünf Prozent sorgen soll.  

Eine weitere Premiere: Bestseller Actros beherrscht als erster Lkw das autonome Fahren auf Level zwei. So kann der Lastwagen teil-autonom über die Autobahn fahren, ob im Stop-and-Go eines Staus oder bei Höchstgeschwindigkeit. Wie beim Pkw muss der Fahrer aber eine Hand am Lenkrad haben und jederzeit eingreifen können. Zwecks Kraftstoffeinsparung passt die Technik zudem die Fahrweise auf Autobahnen und Landstraßen an die Topographie an, so dass der Antriebsstrang Gefälle, Steigungen, Kurven oder Kreisverkehre und Kreuzungen berücksichtigt werden. Das Bosch-System „elektronischer Horizont“ lernt bei jeder Fahrt dazu und korrigiert, wenn die gespeicherten Informationen nicht mehr mit den tatsächlichen Gegebenheiten auf der Straße übereinstimmen. werden minimiert.  

So wie hier im Actros sieht ein moderner Fahrerarbeitsplatz im Lkw aus: mit digitalem Cockpit und Monitoren, die das Bild der Außenspiegelkameras wiedergeben. Bild: Daimler

Für viele dieser Funktionen sind die modernen Nutzfahrzeuge, ebenso wie die Pkw, natürlich längst an das Internet angebunden. Damit ist bei technischen Problemen eine Ferndiagnose, aber auch das Aufspielen von Updates over-the-air möglich, so dass Ausfallzeiten minimiert werden. Aber auch zum Komfort des Brummifahrers trägt die Vernetzung bei. Beim Mercedes Actros beispielsweise sollen spezielle Apps den Fahreralltag vereinfachen, indem er für Funktionen etwa vom Kühl-Auflieger keine Extra-Fernbedienung benötigt, sondern sie über eine Anwendung auf dem Touchscreen im Fahrzeug bedient.

Nach einer Vision von Bosch kann das Smartphone des Fahrers künftig auch als Lkw-Schlüssel fungieren. Wie bei aktuellen schlüssellosen Start-Systemen erkennt das Fahrzeug ein sich näherndes Handy über dessen Funk-Signatur, entriegelt die Türen und gibt den Start-Knopf frei. Das soll Fahrer- und Fahrzeugwechsel deutlich vereinfachen. Um die oft händeringend gesuchten Lkw-Fahrer kann sich der spendierwillige Spediteur auch in anderer Hinsicht kümmern: Zulieferer Faurecia stellt in Hannover einen Sitzbezug vor, der eine ganze Reihe von Gesundheits-Sensoren integriert. Sie erfassen unter anderem Herzfrequenz und Atmung des Fahrers, eine App auf seinem Handy nimmt die Analyse vor und regt Verbesserungen an.  

sp-x/hs/red

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