VolvoSCT.carIT
| von Werner Beutnagel

Grundlegend stellt Sensus Connected Touch eine Erweiterung der Fahrzeugfunktionen um Online-Apps in den Bereichen Musik und Radio, Navigation und Service dar. Das überschaubare Angebot an nutzbaren Mini-Programmen lässt sich zwar über einen eigenen Shop („Asteroid Market“) erweitern, allerdings ist das entsprechende Angebot auch hier eher dürftig. Zur Standardausstattung von Connected Touch zählen etwa die Streaming-Dienste Spotify, Deezer und TuneIn, die Navi-App iGO, die POI-Suche Roadtrip, sowie Applikationen zum Mailempfang, der Suche nach Servicepartnern des OEMs oder zur Anzeige von Internetseiten. Funktionen etwa von Spotify oder TuneIn punkten hierbei durch eine einheitliche Oberfläche, Applikationen wie iGO wiederum fallen jedoch aus der Reihe. In der Regel ist die Bedienbarkeit der Funktionen von Connected Touch über den nachgerüsteten Touchscreen präzise und komfortabel, im Rahmen der Sprachsteuerung, die etwa die Suche nach bestimmten Musikstücken ermöglicht, besteht allerdings noch Verbesserungspotential. Ebenfalls angenehm ist die Möglichkeit, Apps wie etwa Spotify oder TuneIn über die Lenkradtasten zu bedienen. Durch große Symbole und eine intuitive Menüführung sorgt das System für eine ablenkungsfreie Bedienung, die sich insbesondere im Vergleich zum originären Infotainmentsystem offenbart, das über die mehr als 80 Dreh- und Drücksteller im Innenraum des getesteten Volvo V40 gesteuert werden muss. Einzelne Applikationen, deren Nutzung während der Fahrt negative Folgen auf die Aufmerksamkeit des Fahrzeugführers hätten, etwa der kaum veränderte Android-Browser oder der App-Store, lassen sich nur im stehenden Auto benutzen. Um die Konzentration auf den Straßenverkehr zu fördern, besitzt etwa die POI-Suche zudem Funktionen zum Vorlesen von Informationen zu bestimmten Sehenswürdigkeiten. Die Verbindung zwischen Fahrzeug und Internet wird hierbei wahlweise über das Smartphone des Fahrers oder einen im Handschuhfach angeschlossenen UMTS-Stick aufgebaut. Im carIT-Test führte dabei vor allem die schlechte Verbindungsqualität auf Autobahnen zu routinemäßigen Aussetzern der genutzten Streaming-Dienste. Vor allem zur parallelen Nutzung mehrerer Dienste (etwa Navigation plus Online-Radio) scheint der Ausbau mobiler Internetangebote in Deutschland noch nicht weit genug fortgeschritten zu sein.

Probleme der Nachrüstlösung Sensus Connected Touch offenbaren sich vor allem im zweigleisigen Betrieb mit dem originären Infotainmentsystem des Fahrzeugs, das selbst keine Touch-Funktionalität aufweist. Der Bereich Connected Touch muss zur Nutzung zunächst innerhalb des Medien-Untermenus des originären Systems ausgewählt werden und ist somit schwer auffindbar. Aufgrund der gleichzeitigen Verfügbarkeit zweier an sich getrennter Systeme ist zudem eine einheitliche Bedienung des Infotainmentmoduls nicht möglich: Die Übersichtlichkeit und einfache Touch-Bedienung der Nachrüstlösung findet keine Entsprechung im weniger intuitiven Ursprungssystem, das über Dreh- und Drückregler gesteuert werden muss. Innerhalb der Lösung Sensus Connected Touch ist zudem die sinnige Verknüpfung der Apps gegeben, so dass etwa Ziele aus der Umfeldsuche direkt in die Navigations-App des Systems eingespeist werden können. Möchte der Fahrer allerdings entsprechende Orte mit der originären TMC-Navigation statt mit der zwar RTTI-fähigen, dafür allerdings unübersichtlicheren iGO-App anfahren, müssen diese wiederum per Hand eingegeben werden. Viele Funktionen, etwa zur Navigation oder der Wiedergabe von Musik, die auf externen Datenträgern abgespielt werden soll können zudem sowohl vom originären Infotainmentmodul des Fahrzeugs als auch von Sensus Connected Touch übernommen werden.

Fazit: In der Infotainment-Brust des getesteten Volvo V40 steckt die Kraft der zwei Herzen – jedoch schlagen diese leider nicht im gleichen Takt. Eine bessere Anpassung beider Systeme wäre sicherlich wünschenswert. Für sich genommen punktet die Lösung Sensus Connected Touch jedoch durch intuitive Menüführung, einfache Bedienbarkeit und ein geringes Ablenkungspotential. Neuwagenkäufer, die Wert auf Online-Dienste im Fahrzeug legen, sollten daher direkt zu einer vollwertigen Lösung greifen, wie Volvo sie etwa für den nächsten XC90 angekündigt hat. Besitzer eines älteren Fahrzeugs ohne das System können jedoch beim vergleichsweise geringen Anschaffungspreis von 690 Euro auch mit der getesteten Nachrüstlösung nicht viel falsch machen, zudem die entsprechenden Systeme im Fahrzeug zu spürbar mehr Komfort beitragen können.

Autor: Werner Beutnagel
Bild: Volvo

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