| von Stefan Grundhoff

Man schlägt die Räder ein, drückt aufs Gaspedal und der viertürige Elektrozwerg dreht beinahe auf der Stelle. Ein kleiner, fast geräuschloser Spurt bis zur nächsten Ampel und die Zuschauer drumherum machen große Augen. Zugegeben, vielleicht sind es auch die orangefarbene Lackierung und die 20 Grad Celsius, die an diesem Novembertag für einen geneigten Auftritt in der Innenstadt sorgen, doch dieser Twingo scheint anzukommen. Und das gilt nicht nur für das Publikum am Straßenrand, denn gerade der Fahrer kommt im Renault Twingo auf seine Kosten. Das alles liegt nicht an dem ebenso bekannten wie gelungenen Design oder dem guten Platzangebot auf kleinstem Raum, sondern an dem Elektromotor, der erst jetzt Einzug hält.

Das, was die Smart-Modelle schon lange in sich tragen, ist ab Dezember auch im französischen Gegenüber zu bekommen: der Renault Twingo wird als Z.E.-Variante von einem Elektromotor angetrieben. Der leistet zugegeben überschaubare 60 kW / 82 PS, doch die allemal reichen aus, dass der Franzose mit Produktionsort im tschechischen Nove Mesto richtig Laune macht. Das maximale Drehmoment von 160 Nm ab 550 U/min sorgt für einen überaus flotten Antritt und das nicht nur beim Ampelstart, auch beim Auffahren auf die Autobahn oder Schnellstraße zieht der 1,2 Tonnen schwere Hecktriebler los wie die eilig herbeigerufene Feuerwehr. Dank Motor an der Hinterachse ist die allzu leichtgängige Lenkung frei von Antriebskräften und die beiden Vorderräder lassen sich ebenso wie beim Verbrenner derart stark einschlagen, dass der 3,61 Meter lange Viertürer beinahe auf der Stelle drehen kann. Wendekreis: 8,60 Meter.

Dieser Renault Twingo hat auf den Elektroantrieb nur gewartet. Zugegeben etwas lang, doch jetzt ist er da und startet in der teuersten Ausstattungsvariante bei knapp über 24.000 Euro. Natürlich ist das inakzeptabel viel für einen Kleinwagen, der in einer mittleren Ausstattungsvariante mit 65-PS-Verbrenner für gut 13.000 Euro zu bekommen ist. Doch so lange derartige Elektromodelle in Deutschland mit rund 10.000 Euro bezuschusst werden, kostet ein gut ausgestatteter Renault Twingo Z.E. den Endkunden in etwa 14.000 Euro oder in der ab Anfang des Jahres bestellbaren Basisvariante nur rund 12.000 Euro - da gibt es keinen Grund, sich noch für den Verbrenner zu entscheiden. Weil der Elektromotor einfach deutlich besser passt. Das nervige Rasseln des Dreizylinderturbos ist verschwunden und ganz nebenbei tut das Mehrgewicht von 150 Kilogramm durch den Elektromotor im Heck und das Batteriepaket zwischen den Achsen dem Zwillingsmodell des bald auslaufenden Smart Forfour gut. Der elektrische Twingo liegt besser auf der Straße und flott durchfahrene Kurven machen tatsächlich Laune.

Besser als der Verbrenner

Dabei stört niemanden, dass es ab Tempo 138 Schluss mit lustig ist. Schneller muss ein solcher Miniflitzer ohnehin nicht fahren. Zugegeben ist es im Ecomodus etwas zäher mit der Dynamik und dann wird auch schon bei 106 km/h abgeriegelt, doch in der City reicht das Ökofahrprogramm locker aus und bringt nochmals zehn Prozent mehr Reichweite. Die liegt bei einem Normverbrauch von 16 kWh, was bedeutet, dass man mit einer Akkuladung 190 Kilometer weit kommen kann. Wer nur in der Innenstadt unterwegs ist, erweitert den Aktionsradius sogar auf bis zu 270 Kilometer und kann dann mit immerhin 22 Kilowatt nachtanken. Das Platzangebot ist dank des 2,49 Meter langen Radstandes in Ordnung; der Laderaum mit 219 bis 980 Liter ebenfalls im klassenüblichen Rahmen.

Zugegeben ist der Twingo - auch als Elektroversion - etwas in die Jahre gekommen. Die Sitze sind gerade für groß gewachsene Personen wenig komfortabel und nur mit einer Stufe zu beheizen. Eine Lenkradheizung fehlt ebenso wie im Winter sinnvoll beheizte Rücksitze, ein übersichtliches Instrumentendisplay und ein gutes Navigationssystem. Doch für einen Realpreis von 12.000 Euro kann man sich damit ebenso arrangieren wie mit den alles andere als standesgemäßen Halogenscheinwerfern. Hier sollte es auch in dieser Fahrzeugklasse längst LED-Technik sein. Doch der Renault Twingo ist zumindest als subventioniertes Elektrofahrzeug nicht nur eine gute Alternative zum normalen Twingo, sondern das klar bessere Auto.

Wenn die hohe Bezuschussung jedoch einmal auslaufen sollte, sieht das ganz anders aus. 22.000 bis 25.000 Euro für einen Kleinwagen sind ebenso viel zu teuer wie die anderen Elektroflitzer vom Schlage eines Smart Fortwo / Forfour, Opel Corsa, Peugeot 208 oder Fiat 500 Elektro. Hier müssen sich die Hersteller schnell etwas einfallen lassen, denn derzeit locken diese Elektromodelle nur durch die Subvention von knapp 10.000 Euro - da macht der Renault Twingo Electric keinerlei Unterschied zu den auslaufenden VW e-Up oder Skoda Citigo iV. Doch aktuell sollte es keine Probleme bereiten, diesen an Frau und Mann zu bringen. Die für 2021 geplanten 5.000 Fahrzeuge allein auf dem deutschen Markt erscheinen einem da beinahe allzu wenig. Und vom größeren Renault Zoe dürfte der elektrische Twingo kaum etwas abknabbern, kostet der doch rund 7.000 Euro mehr.

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