| von Sebastian Ballhausen

Ab Herbst wird Mercedes den neuen Actros ab Werk mit neuer Telematik ausstatten. Die Fahrzeuge sind dann ständig mit einem Rechenzentrum verbunden (automotiveIT 10/2011)

Geschwindigkeit, Pedalstellung – Fahrzeuge produzieren in jeder Minute hunderte Datensätze. Doch wofür sind die Daten nutzbar? Daimler gibt auf diese Frage eine mögliche Antwort. Denn ab Herbst wird der Mercedes-Benz Actros das wahrscheinlich weltweit erste Nutzfahrzeug sein, das ab Werk mit einem Telematiksystem ausgerüstet wird. Über FleetBoard sind die Actros per Mobilfunk direkt mit dem FleetBoard-Rechenzentrum verbunden. Hier werden die Daten ausgewertet und analysiert. Per Webservices werden die so gewonnenen Informationen auf den Monitoren der verantwortlichen Flottenmanager, der Fahrer und auch der Versicherungsanbieter präsentiert. „Der Flottenmanager kann das Potenzial der Fahrzeuge durch FleetBoard voll ausschöpfen. Zudem reduzieren sich die Einstiegskosten für professionelle Telematik deutlich. Es gibt keinen Grund mehr, darauf zu verzichten“, so Markus Lipinsky, Geschäftsführer bei Daimler FleetBoard. Über GPRS vernetzt Daimler das Fahrzeug mit dem Rechenzentrum. Die Daten werden ständig und unterbrechungsfrei gesendet, empfangen, berechnet und in Echtzeit angezeigt. Die IT-Experten sprechen bei der Telematik über drei so genannte Layer, die Daten sammeln und verarbeiten. Layer Nummer eins besteht aus Hardwarekomponenten, die in die Fahrzeuge eingebaut sind – beispielsweise Boxen, die den jeweiligen Standort an die Disponenten melden. Layer zwei sind Rechner und Sensoren, die über die Netzwerke in den Fahrzeugen Sekunde für Sekunde hunderte von Datensätzen erstellen und speichern. Ein Gateway sammelt sämtliche Daten ein und schickt sie per Mobilfunk an den dritten Layer – die Datenverarbeitung im Rechenzentrum. Über das Web hält FleetBoard die Flottenmanager seiner Kunden über ihre Lastkraftwagen auf dem Laufenden. Informationen über – beispielsweise – Tankinhalte, gefahrene Kilometer, den Status der Liefertouren, den Standort jedes Fahrzeuges gehören dazu. Genauso wie eine Übersicht über die anstehenden Wartungstermine und etwaige Verzögerungen oder Verfrühungen bei den Lieferungen – die Disponenten sehen alles.

Technisch setzt FleetBoard auf eine Infrastruktur von IBM – von der Hardware über die Datenbänke zu den WebSphere- Servern und den Entwicklungswerkzeugen, berichtet Hans Windpassinger, Go-to-Market-Manager bei IBM Deutschland. „Dank unserer Infrastruktur und Entwicklungswerkzeuge sowie Entwicklungsverfahren kann FleetBoard in kürzester Zeit neue Kundenanforderungen in Produktupdates umsetzen und den Kunden zur Verfügung stellen.“ Jeweils zum nächsten Update werden die Entwickler die neuen Features der Software in die Computer laden. Dann können Kunden wählen, welche zusätzlichen Informationen sie haben wollen. So ist FleetBoard ein riesiger App Store für die Logistikbranche – der Mercedes- Benz Actros ihr „Smarttruck“. In der neuesten Version wird es erstmals einen Rückkanal direkt zum Fahrer geben. „Kriterien zur wirtschaftlichen Fahrweise wie gleichmäßige Geschwindigkeit, Fahrpedalbewegung, Einsatz verschleißfreier Bremsen, Rollverhalten und Ähnliches werden permanent analysiert und ausgewertet“, berichtet Lipinsky. Doch nicht nur für Fahrer und Manager ist die Fahrweise interessant. Die Daten werden auch zur Berechnung von Versicherungsprämien genutzt werden. In diesem Fall hängt die monatliche Prämie von der „Einsatzschwere“ und Fahrweise ab. Transportiert ein neuer Actros eher leichte Lasten im Flachland und wird vorausschauend gesteuert, könne die Versicherungsprämie um über 60 Prozent niedriger liegen. Anthony Bandmann, Vorstand Privat- und Firmenkunden der Mercedes-Benz-Bank, führt aus: „Wir können damit erstmals eine Lkw-Versicherung anbieten, die sich am tatsächlichen Einsatz des einzelnen Fahrzeugs orientiert.“

Autor: Christian Raum

Foto: Daimler

 

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