| von Stefan Grundhoff

Nach anfänglichen Schwierigkeiten hat Tesla sein Modellangebot beim Model 3 mittlerweile entsprechend ausgeweitet. Viele Kunden entscheiden sich für die Kombination aus Allradantrieb und maximaler Reichweite, was den Preis von gut 42.900 Euro mit ein paar Klicks auf über 50.000 Euro steigen lässt. Tesla verweist in seinem Konfigurator bei der Basisversion des Model 3 auf einen partiellen Premium-Innenraum im Paket Standard Plus. Premium ist an diesem Paket allerdings nicht viel, denn Sitze, Oberflächen und Verkleidungen verbreiten vieles, aber keinerlei Premiumcharme. Den gibt es allenfalls durch das mächtige Zentraldisplay in der Mitte der Armaturentafel.

Doch wie schön wäre es, wenn es hinter dem Lenkrad mit spärlichen zwei Drehreglern ein echtes Cockpit oder darüber zumindest ein Head-up-Display geben würde, das die wichtigsten Informationen ins Blickfeld des Fahrers projiziert? Doch nichts von alledem. Blinker, Tacho, Klimatisierung oder sämtliche Komfort- und Sicherheitsfunktionen gibt es nur auf dem großen Bildschirm, der sich problemlos per Fingerberührung bedienen lässt. Doch der Fahrer muss jeweils seinen Blick von der Fahrbahn neben, wenn er Funktionen ändert. Manchmal muss man gar in tieferen Ebenen suchen, um zentrale Funktionen zu ändern. Die beiden Drehregler am Steuer können zahlreiche Funktionen bedienen – zwei oder vier Taster mehr hätten dem Model 3 gut getan.

Für die 42.900 Euro des Basismodells gibt es 191 kW / 260 PS und rund 500 Nm, die sich in 225 km/h Spitze und einen Spurt 0 auf Tempo 100 in 5,6 Sekunden verwerten lassen. Der Normverbrauch inklusiv entsprechender Realdistanz liegt mit 430 Kilometern nennenswert unter dem vergleichbarer Elektromodelle. Wem diese üppige Distanz nicht reicht, der entscheidet sich für die Version mit großer Reichweite, die im Paket gleich noch einen Allradantrieb beinhaltet. Für 52.000 Euro gibt es dann etwas mehr Wertigkeit im Innern, ohne dass das Model 3 damit auch nur in die Nähe eines BMW 3er oder Audi A4 käme. Doch im Paket enthalten ist nicht nur mehr Premiumcharme im Innern, sondern auch eine maximale Entfernung von stattlichen 580 Kilometern ohne Nachzuladen und eine Höchstgeschwindigkeit von 223 km/h. Für weitere 6.000 Euro extra spurtet die Performance-Variante mit ihrem 75-kWh-Akku dank 487 PS in spektakulären 3,3 Sekunden auf Tempo 100 und schafft 261 km/h Spitze – das ist absolutes Sportwagenniveau und lässt die Konkurrenz älter als alt aussehen.

So viel Dampf braucht es ohnehin nicht, um im Model 3 seinen Spaß zu haben. Doch wer nicht auf den Cent schauen muss und das scheint bei einem Teslafahrer selten der Fall zu sein, sollte sich allemal für die leistungsstärkeren Varianten entscheiden, denn dann gibt es nicht nur mehr Power und nennenswert mehr Reichweite, sondern auch den nicht nur jahreszeitbedingt sinnvollen Allradantrieb, der seine Motorleistung variabel zwischen beiden Achsen verteilen kann. Der Vortrieb des entsprechend erstarkten Model 3 überrascht einen bei jedem Mal. Er ist schnell, sportlich und hängt klasse am Gas. Dass die Lenkung keine perfekte Rückmeldung von der Fahrbahn bietet, können auch die 20-Zöller aus dem Hause Startech mit 245er Reifen vorn und 285er Pneus hinten nicht ändern. Die Lenkung des 1,7 Tonnen schweren Allradlers wirkt synthetisch, doch zugegeben gewöhnt man sich schneller als man denkt an sie. Das gilt für das leicht hölzerne Fahrwerk nur bedingt, denn selbst für eine sportliche Abstimmung wirkt die Vorderachse gerade bei Querfugen stößiger als es durch die Turbinenräder an sich sein dürfte. Was auffällt: das geringe Geräuschniveau des Tesla Model 3, für das auch der exzellente cW-Wert von 0,23 sorgt. Der Verbrauch: rund 20 kWh pro 100 Kilometer.

Beim Platzangebot des 4,70 Meter langen Tesla Model 3 gibt es nichts zu meckern. Für diese Klasse ist man großzügig dimensioniert unterwegs. Die Verstellmöglichkeiten der elektrischen Sitze könnten jedoch etwas besser und die Oberfläche griffiger sein. Immerhin gibt es vorne wie hinten eine Sitzheizung, die nicht nur bei einem Elektromobil mehr als sinnvoll ist. Wünschen würden sich jedoch die Insassen in der zweiten Reihe größere und vor allem bequemere Kopfstützen mit Höhenjustierung. Das Ladevolumen ist mit 340 Litern im hinteren Kofferraum trotz verstecktem Elektromotor und Akkus zwischen den Achsen überschaubar. Zusätzlich gibt es noch den „Frunk“ (Front Trunk = vorderer Laderaum) sowie ein Abteil unter dem Ladeabteil mit insgesamt weiteren 85 Litern für Kleinteile oder eben Ladekabel.

Üppig dimensioniert im Innenraum: die beiden Ladeschalen für Smartphones und die große Mittelkonsole mit entsprechenden Becherhaltern. Und mit dem Alcantara-Kit von Brabus fühlt sich der Innenraum gleich ein ganzes Stück wertiger an. Sonnenblenden, Griffe, Dachhimmel und weitere Details mit dem Handschmeichler-Material sollten einem die mindestens 2.600 Euro Aufpreis allemal wert sein. So lässt sich jedoch der Preis locker über die 70.000-Euro-Marke drücken. Immerhin kann das Model 3 mittlerweile nicht nur an Supercharger nachladen, sondern auch an anderen Ladesäulen– je mehr, je einfacher und laden kann der Einsteiger-Tesla beinahe so schnell wie beschleunigen.

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