| von Stefan Grundhoff

An sich ist der Ford Puma ST nicht viel mehr als ein höher gelegter Fiesta ST - möchte man meinen: drei Zylinder, 200 PS und jede Menge gute Laune hinter dem Steuer und auf der Straße. Dem Puma ST kann man selbst beim zweiten Hinsehen eigentlich nur eines vorwerfen: bei so viel Tatendrang und Fahrspaß würde man sich einen Allradantrieb wünschen. Den hat Ford zwar im Programm - aber nicht beim 200 PS starken Puma. Schade, denn wenn man es so richtig krachen lässt, zerren die 200 allzu munteren Pferdchen mehr an der Vorderachse, als einem lieb ist. Die optionale Vorderachsquersperre kommt bei flotter Gangart schneller an ihre Grenzen, als es sich der kurvenhungrige Pilot wünschen würde. Das Sperrdifferenzial gibt es im Sportpaket zusammen mit Launch-Control und einer besonderer Schaltpunktanzeige. Doch sonst gibt es kaum etwas zu meckern, denn sogar an das zu einem sonoren Brabbeln umgearbeitete Rasseln des 1,5-Liter-Dreizylinders kann sich hören lassen. Der Puma ST ist fraglos ein Dreizylinder - aber eine spaßiger.

Bereits die Optik ist eine Schau. Das ohnehin ansehnliche Design des Puma wird durch den ST-Sportdress noch eine ganze Ecke schnittiger. Dunkler Wabenkühlergrill, sportliche Schweller und schmucke 19-Zöller - ja, dieser Kölner findet an jeder Straßenecke schnell seine Freunde. Besonders auf seine Kosten kommt der Pilot gewordene Fahrer, wenn er das Gaspedal mit etwas lockerer Leine bewegt. Den Dreizylinder kennt man aus dem Hause Ford nur allzu gut - und im Zylinderterzett gehört er zum Besten, was man derzeit bekommen kann. 1,5 Liter Hubraum, 147 kW / 200 PS und ein maximales Drehmoment von 320 Nm, das zwischen 2.500 und 3.500 U/min anliegt. Alles keine Werte, die einem die Sprache rauben, aber man ist in der Liga der Kleinen unterwegs und da sind die Leistungsdaten allemal imposant. Das gilt zugegeben nur eingeschränkt für die Höchstgeschwindigkeit, denn 220 km/h sind ordentlich, aber für einen echten Sportler im Konkurrenzumfeld doch etwas wenig. Andere Fahrzeuge mit 200 PS sind 240 oder gar 250 km/h schnell. Immerhin spurtet der Fronttriebler aus dem Stand in 6,7 Sekunden auf Tempo 100. Der Normverbrauch: gute 6,0 Liter Super pro 100 Kilometer.

Allerdings wird es bei hohen Geschwindigkeiten im knapp 1,4 Tonnen schweren Puma ST recht laut und man merkt ihm seine technische Basis an. Dabei ist er nicht ganz so bissig und sportlich wie der eng verbrüderte Ford Fiesta ST, jedoch im Alltag kaum weniger sportlich und bietet dabei deutlich mehr Variabilität. Mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern lässt es sich im Innern des sportlichsten aller Pumas gut aushalten. Dabei ist das Komfortniveau nennenswert höher und die Lenkung kaum weniger direkt als beim kleinen Bruder Fiesta ST, der vom gleichen Dreizylinder befeuert wird. Das Fahrwerk: eine der besten Seiten des Puma ST. Gerade das Bypass-Ventil der Zweirohr-Stoßdämpfer hat einen wesentlichen Anteil an der erhöhten Langstreckentauglichkeit. Das große Kurvenvergnügen hat seinen Ursprung jedoch nicht nur in der gelungenen Gesamtabstimmung, sondern liegt nicht zuletzt an einer überraschend fahraktiven Hinterachse, der das Stabilitätsprogramm im Grenzbereich je nach angewähltem Fahrprogramm sogar leichten Auslauf gewährt. Am ledernen Sportlenker kann man die einzelnen Fahrmodi zwischen den Stufen Normal, Eco, Sport und Rennstrecke durchschalten, was nicht nur Lenkung und Gaspedalannahme, sondern auch ESP beeinflusst.

Spaß für zwei bis vier

Klasse sind die wohl konturierten Dinamica-Sportsitze aus dem Hause Recaro. Die helfen nicht nur im schnellen Galopp, sondern gefallen auch mit ihrem hohen Langstreckenkomfort. Gut in der Hand liegen das griffige Sportlenkrad, dessen Leder sich etwas wertiger anfühlen könnte und der Schaltknauf der manuellen Sechsgang-Handschaltung, die einmal mehr zeigt, wie viel Laune es machen kann, sich in der Handarbeit zu betätigen. Noch schöner wäre es jedoch, wenn Ford den potenziellen Kunden die Wahl zwischen Handschaltung und einem automatisierten Getriebe wie einer Doppelkupplung geben würde. Aktuell bleibt es beim Handschalter. Qualitätsanmutung und Verarbeitung zeigen, dass Ford seit längerem auf dem rechten Weg ist, doch gerade Instrumente und Bedienelemente könnten auch in dieser Liga schicker und wertiger sein. Das gilt auch für das 12,3 Zoll große Kombiinstrument hinter dem Steuer oder das Multifunktionsdisplay in der Mitte der Armaturentafel. Passt alles, doch es gibt Raum nach oben.

Ebenso wie das Raumangebot geht auch der Laderaum des 4,23 Meter langen Crossovers in Ordnung. Der Laderaum schluckt 456 Liter, die sich durch Umlegen der Rückbank auf 1.216 Liter erweitern lassen - inklusiv der 81 Liter großen Ablagebox unter dem Kofferraum. In Sachen Ausstattung hat der kleine Kölner einiges auf dem Kasten. Dabei hat der geneigte Kunde die Wahl zwischen dem Ford Puma ST und dem besser ausstaffierten Puma ST-X, der trotz des verheißungsvollen Zusatzbuchstabens keinen Allradantrieb bietet. So startet der Ford Puma ST bei 30.121 Euro, während für den ST-X mindestens 32.071 Euro fällig werden. Serienmäßig sind nicht nur beheizte Sportsitze, LED-Scheinwerfer, 19-Zöller oder Navigationssystem, sondern auch Soundsystem und eine beheizbare Frontscheibe. Für beide Varianten sind acht Karosserie-Lackierungen lieferbar, wobei dem kompakten Kraftmeier gerade nicht nur das coole grau-uni, sondern auch weiß oder grün bestens steht.

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