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| von Werner Beutnagel

Es sind sehr viele Bauteile, vor allem aber die ähnliche Anordnung, Bedienlogik und Verarbeitung, die klar die Herkunft aus der nächsthöheren Baureihe weisen. Denn hier haben die Wolfsburger zur Hälfte des Modellzyklus einen tiefen Griff in den Golf-Baukasten getan. Auch dessen gediegene Kunststoffe und das schöne Multifunktionslenkrad (325 Euro) kommen hier zur Geltung.

Der Polo fühlt sich zudem nicht nur so an – er fährt sich auch fast wie ein Golf: Noch nie lag der Kleinwagen so satt auf der Straße; die jetzt elektromechanische Lenkung vermittelt ein sehr präzises Steuerungsgefühl. Mittels verstellbarem Fahrwerk (380 Euro) sind sogar noch unmittelbarere Straßenerlebnisse möglich. Das braucht der Polo-Pilot nicht unbedingt – zumindest, bis im Herbst das Kraftpaket GTI mit 192 PS kommen wird.

Wichtiger für den Normalfahrer: Wer etwa auf der Beifahrerseite die Augen schließt, wähnt sich vom Fahrgefühl, aber auch der Geräuschdämmung sogar gleich zwei Klassen über dem Kleinwagensegment – zumindest, bis der Insasse die Arme ausstreckt. Denn bei der Innenraumbreite ist ein Polo eben doch kein Golf; auch, wenn er in allen Maßen dessen erste Generation übertrifft. Den Unterschied zum Golf VII merkt der Insasse ebenfalls auf der Rückbank – wobei der kleine VW auch dort für vier Personen Langstreckentauglichkeit und klassenuntypisch ordentliche Beinauflagen aufweist.

Stark zum höherwertigen Fahrerlebnis tragen die gründlich und erfolgreich überarbeiteten oder ganz neuen Motoren bei. „Wir erzielen bis zu einem Fünftel weniger Verbrauch“, so Markus Rothe, Projektsteuerer Aggregate. Alle Motoren erfüllen schon die Euro-6-Norm.

Auch die Wolfsburger setzen dazu jetzt stark auf Dreizylindermotoren, bei den Dieselvarianten gibt es sogar nichts anderes im Angebot. Sogar der schwächste 1,4-Liter-Selbstzünder mit 75 PS zieht dank begeisternder 210 Newtonmeter Drehmoment schon zackig los – und das beinahe aus dem Stand. Das hört der Fahrer allerdings trotz Vibrationsarmut und Dämmung deutlich. Wer sich dennoch zu sehr von den Beschleunigungsmöglichkeiten begeistern lässt, der dürfte die niedrigen 3,4 Liter Verbrauch auf 100 Kilometer noch deutlicher verpassen als der Autor bei gemäßigter Fahrweise. Alle Motoren weisen aber erheblich verbesserte Leistungswerte auf – was den Fahrspaß auch an der Zapfsäule im Vergleich zu den Vorgänger-Motoren kräftig hebt.

Beschleunigung und Verbrauch sind zwar sehr wichtige Werte – aber im Notfall mit dem Höchstmaß an Sicherheit aufzuwarten ist gerade in der Kleinwagenklasse äußerst wichtig. Und hier hat der Polo seine Bezeichnung „Neue Generation“ absolut verdient. Man könnte auch sagen: Generation Golf. Denn von dem hat der VW als erster Kleinwagen überhaupt einen Abstandsregeltempomaten geerbt (Aufpreis: 500 Euro). Wer den kauft, der hat auch stets das Umfeldbeobachtungssystem Front Assist an Bord. Das warnt den Polo-Lenker mit Bild, Ton und kurzem Bremsimpuls, wenn er sich zu schnell einem Hindernis nähert – und bremst den Polo selbsttätig ab.
Die City-Notbremsfunktion (290 Euro) tritt sogar voll auf die Bremse, wenn der Polo nicht schneller fährt als 30 Stundenkilometer fährt. Immer serienmäßig ist im Polo jetzt auch die Multikollisionsbremse aus dem Golf dabei. Wenn der Fahrer nach einem Unfall keine Kontrolle mehr über das Auto hat, wird automatisch bis zum Stillstand gebremst. Das verhindert Folgekollisionen.

Um die neue Technik einzupflanzen, hat das Team um Elektronikentwickler Henry Schindel „fast jedes Kabel neu auslegen müssen“. Ein Ergebnis: Beim Infotainmentsystem ist der Polo dem Golf inzwischen eine Generation voraus. Hier kommt schon die Einbindung spezieller Smartphone-Apps über den 12,7-Zentimeter -Touchscreen zu Einsatz, was zumindest mit Android-Handys neuster Generation klappt. Iphone und Windows-Phones bleiben beim Spiegeln des Handy-Bildschirms über Mirror-Link (170 Euro) aber außen vor – und auch viele Smartphone-Standards wie Whatsapp, Facebook oder Mails sind gar nicht oder nur im Stand zu bedienen. Da gibt es noch Nachholbedarf.

Zum Marktstart sind ab sofort vier Benziner (44 kW/60 PS bis 81 kW/110 PS) und zwei Diesel (55 kW/75 PS und 66 kW/90 PS) verfügbar. Je nach Motorisierung schalten die Fahrer mit manuellen Fünf- und Sechsgang-Getrieben, DSG gibt es für die größeren Benziner. Der Grundpreis bleibt unverändert. Dafür ist jetzt aber der 1,0-Liter-Dreizylinder mit 60 PS aus dem Up unter der Haube.

Das Sparfuchs-Modell Bluemotion gibt es im Polo erstmals nicht nur als Dreizylinder-Diesel (75 PS, 3,1 Liter Drittelmix, ab 16.850 Euro), sondern ab Herbst auch als Benziner. 4,1 Liter Verbrauch auf 100 Kilometer sind beim derart optimierten Polo ein Wort. Sparoptimierte Front, Leichtlaufreifen und längere Getriebeübersetzung bekommen auch die größeren Benziner- und Diesel-Bluemotion. Und wer behutsam mit dem Polo umgeht, kommt diesen Werten auch durchaus nahe. Der Polo ist und bleibt eben eine ehrliche Haut. Generation Golf sozusagen.sp-x/pw

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