Skoda Octavia RS.carIT
| von Werner Beutnagel

Aber auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht: Ganz so einfach ist die Aufrüstung trotz MQB dann doch nicht. Das beginnt schon beim Line-Up, sagen die Tschechen. Schließlich bieten sie den RS nicht nur mit dem 220 PS starken Benziner aus dem GTI an, sondern auch als Diesel mit 180 PS, den man bei VW nur um Golf GTD bekommt. Und wo sich die Niedersachsen auf eine Karosserievariante beschränken, läuft der Octavia auch als RS in zwei Formen vom Band – als Limousine und als Kombi. „Das klingt nach einer Kleinigkeit, erhöht den Abstimmungsaufwand aber gewaltig. Zumal wir ja auch noch einen anderen Radstand haben als der Golf“, sagt Martin Hrdlička, der die Entwicklung von Fahrwerk und Aggregaten in Mlada Boleslav leitet.

Doch die Mühe von Hrdličkas Mannschaft und die vielen Runden auf dem Eis in Skandinavien oder der Nordschleife des Nürburgrings haben sich gelohnt: Wenn man mit der RS-Limousine und dem Benziner unterwegs ist, kommen am Steuer fast ein paar BMW-Gefühle auf. Das um 15 Millimeter tiefergelegte Fahrwerk stramm und die erstmals bei Skoda eingebaute Progressivlenkung wunderbar präzise, schnürt der Octavia über die Landstraßen, dass es ein wahre Freude ist. Klar, scharrt er mal kurz mit den Hufen, wenn man beim Anfahren gar zu viel Gas gibt. Aber im Grunde bringt er die Kraft perfekt auf den Asphalt und macht mit der aufwändigen Lenkung die Landstraße zur Lustmeile: Die elektronische Vorderachssperre bringt ihn schneller ums Eck und die variable Lenkübersetzung bewahrt den Fahrer vor lästiger Kurbelei.
So hat man das Auto jederzeit gut unter Kontrolle und tanzt ganz intuitiv mit ihm durch die schönsten Kurvenkombinationen. Die Geraden dazwischen können bei einem RS ruhig kürzer sein als sonst – denn zum Überholen braucht man hier nicht viel Weitsicht: Fast egal in welchem Gang man fährt: Der Motor ist elastisch genug, damit ein Gasstoss genügt und man am Vordermann schon wieder vorbei ist und um die nächste Kurve tanzen kann.

Die Musik dazu spielt in diesem Fall ein 2,0 Liter großer Turbo, der auf 162 kW/220 PS und bis zu 350 Nm kommt. Das reicht für einen Sprintwert von 6,8 Sekunden und bei Vollgas in der Limousine für 248 km/h. Damit wird der neue RS zum schnellsten Octavia aller Zeiten und muss in der eigenen Modellpalette nur noch den Superb mit V6-Motor ziehen lassen. Aber dieses Superlativ ist nicht der einzige Stolz Hrdličkas. Was ihn mindestens genauso freut, sind die zwei km/h, die der Octavia dem Golf GTI abnimmt – ein bisschen Wettbewerb unter den Geschwistern kann schließlich nicht schaden.

Doch auch wenn es bei einem RS-Modell vor allem um den Spaß geht, bleibt der Skoda-typische Sinn fürs Sparen nicht ganz auf der Strecke: Bei den Preisen ist das diesmal nicht ganz so deutlich, weil der RS 700 Euro mehr kostet als der vergleichbare GTI. Aber an der Tankstelle merkt man einen gravierenden Unterschied – zumindest zum Vorgänger. Um fast 20 Prozent hat Skoda den Verbrauch gedrückt und erreicht nun auf dem Prüfstand für den Benziner in der günstigsten Kombination 6,2 Liter.

Wem das noch immer zu viel ist, dem bieten die Tschechen einen Diesel an. Der kommt auf 132 kW/180 PS und maximal 380 Nm, schafft den Sprint in 8,1 Sekunden und erreicht im besten Fall 231 km/h. Dabei braucht er 4,6 Liter und wird so zum Dauerläufer auf der linken Spur: Denn Tanken muss man diesen Wagen in der Theorie nur alle 1.000 Kilometer.

Zwar gibt der RS den potenten Sportler und schmückt sich mit den üblichen Insignien der PS-Fraktion: Außen sind das Schweller, Schürzen und Spoiler und zum ersten Mal beim Octavia auch die Option auf 19-Zöller. Und innen sind es die angedeuteten Integralsite, das griffigere Lenkrad sowie ein paar neue Zierleisten. Doch wahrt der Octaiva immer einen Rest von Contenance: Den kernigen Sound, der über eine Direktleitung vom Motor in den Innenraum übertragen wird, kann man durch die Wahl des Ecomodus auch abschalten. Und das Fahrwerk wahrt bei aller Bestimmtheit so viel Restkomfort, dass man es auch auf der Rückbank noch aushalten kann: „Wir wissen, dass wir hier ein Familienauto verkaufen, in dem auch mal kleine Kinder oder die Schwiegermutter mitfahren“, sagt Hrdlička und spricht von der feinen Balance zwischen dem Weg zum Kindergarten und der Weiterfahrt, wenn Papi alleine im Auto ist.

Diese Balance könnte sich in Zukunft vielleicht sogar noch ein bisschen verschieben. Denn angeblich liebäugeln die Tschechen mit einer noch schärferen Octavia-Variante, die dann erstmals auch die 250 km/h knackt. Überraschend wäre das mit Blick auf den MQB-Vorrat allerdings nicht. Schließlich gibt es den neuen Golf GTI bei VW ja auch als Performance-Modell mit zehn PS Nachschlag.sp-x/bb

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