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Der neue Range Rover Evoque steht in den Startlöchern. Bilder: Range Rover

| von Pascal Nagel

Es ist sicher keine einfache Aufgabe, einen Bestseller neu aufzulegen. Zu viel Veränderung könnte die Fans des Modells verschrecken, zu wenig lässt beim Kunden die Frage aufkeimen, wieso es denn dann der Neue sein muss. Es gilt den schmalen Grat zu treffen, auf dem der Nachfolger sofort zu erkennen ist, den Vorgänger aber auf einen Blick alt aussehen lässt. Designer in Wolfsburg können ein Lied davon singen.

Vor allem im Heck wirkt der neue Evoque jetzt stimmiger.

Wie es gehen kann, zeigt der neue Range Rover Evoque. Das Nesthäkchen der britischen Offroad-Spezialisten avancierte zum Start 2011 vom Fleck weg zum Publikumsliebling. Entsprechend wurde das SUV optisch behutsam, aber konsequent weiterentwickelt. Es bleibt bei der abfallenden Dachpartie in Kontrastfarbe, der aufsteigenden Gürtellinie, den kräftigen Schultern. Neu sind schmalere Scheinwerfer an Front und Heck, ein neuer Grill sowie ausfahrbare Türgriffe, die das minimalistische Bild des Evoque unterstreichen. Vor allem die Rückseite des SUVs wirkt nun deutlich moderner und frischer.

An den Abmessungen außen ändert sich wenig. Einzig der Radstand schlägt nun mit 20 Millimetern mehr zu Buche. Dafür sorgt die neue Premium-Transversale-Architektur (PTA) von Jaguar Land Rover. Die sorgt zum einen für eine höhere Insassensicherheit durch bessere Crasheigenschaften, zum anderen aber für mehr Platz im Innen- und Kofferraum.

Interieur? Volldigital!

Stichwort Interieur: Dort fallen die Veränderungen deutlich größer aus. Das Cockpit des Evoque ist nun noch aufgeräumter, Schalter finden sich so gut wie keine mehr. Stattdessen hält das bereits aus dem großem Bruder Velar bekannte Touch Pro Duo Infotainment Einzug in den Kompakten. Das System kombiniert zwei Glas-Touchscreens in der Mittelkonsole smart miteinander: Das obere Display dient als Hauptbedienelement, der untere Screen für Funktionen wie Klima oder Fahrmodus. Clever: Inhalte des oberen Displays, etwa das Radio, lassen sich mit einem Wisch auf den unteren Bildschirm ziehen. So lassen sich etwa Navigation und die Bedienung der Multimediainhalte gleichzeitig in der Mittelkonsole anzeigen.

Digitale Achse: Von Rückspiegel bis Klimaregelung ist alles Display.

Im Innenraum des Evoque wird es allerdings noch digitaler: Der 12,3 Zoll große digitale Instrumententräger ist in der Branche schon beinahe Standard, der Rückspiegel als Screen jedoch nicht. Auf Knopfdruck wird im Rückspiegel ein Kamerabild angezeigt. Was zunächst gewöhnungsbedürftig ist, fällt schon nach wenigen Minuten in die Kategorie „Wie ging das jemals anders?“. Zwar muss sich das Auge an die veränderte Tiefenwahrnehmung gewöhnen, doch die Vorteile durch den deutlich größeren Ausschnitt und den jederzeit ungestörten Blick nach hinten überwiegen.

Gänzlich neu bei einem Modell aus dem Hause Range Rover sind die sogenannten Smart Settings. Anhand der Kombi aus Schlüssel und Smartphone erkennt das Fahrzeug eigenständig vorher abgespeicherte Nutzerprofile und ruft diese direkt beim Einsteigen ab. Das reicht von Sitzeinstellungen bis hin zu Vorlieben wie Temperatur oder Musikgeschmack.

Mild-Hybrid als Standard

Nun geht es auf die Straße. Was während der Fahrt direkt auffällt, ist das leise Segeln im Schritttempo und das behutsame, aber doch merkliche Abbremsen der Rekuperation, wenn man vom Gas geht. Denn: Eine Mild-Hybridisierung per 48-Volt-Bordnetz ist beim Evoque für sämtliche Motorisierungen abgesehen vom Einstiegsdiesel Standard. Das soll sich bei CO2-Emissionen und Verbrauch bemerkbar machen.

Ansonsten verhält sich der 200-PS-Benziner auf Autobahn und Langstraße ordentlich. Dem schnellen Spurt auf der Überholspur steht nichts im Weg. Einzig die Schaltung ist hier und da etwas ruppig. Doch das kann man dem Evoque verzeihen, ist er doch im weitesten Sinne ein Sportler.

Gute Figur im Gelände

Im Offroad-Parcour wird der Evoque auf Herz und Nieren geprüft.

Ein Versprechen hält Range Rover aber ganz klar auch beim kleinsten Vertreter der Modellpalette: Der Evoque soll nicht nur nach Geländewagen aussehen, sondern auch einer sein. Also testen wir das Kompakt-SUV auf dem Offroad-Parcour.

Extreme Steigungen oder unebener Untergrund sind für den Evoque kein Problem. Das intelligente Allradsystem erkennt automatisch, welcher der vier Reifen womöglich keinen Kontakt zum Boden hat und verteilt das Drehmoment entsprechend.

Als „Lebensretter“ auf dem Parcour erweisen sich die Kamerasysteme des SUVs. Im oberen Bildschirm des Infotainments lässt sich das Geschehen vor dem Wagen und rund um die Fronträder einblenden. Gerade in Passagen mit starker Steigung oft die einzige Möglichkeit, um das Fahrzeug zentimetergenau auszurichten.

Bei schlechter Sicht sorgen die Kamerabilder für den nötigen Durchblick.

Für eine noch besseren Blick auf das Geschehen sorgt eine Weltneuheit: Das System ClearSight Ground View simuliert im Display eine transparente Motorhaube. Dazu errechnet der Evoque aus mehreren Kameras das Bild unterhalb der Fahrzeugfront. Nicht nur praktisch im Gelände, sondern auch im Großstadtdschungel, etwa in engen Parkhäusern.

Fazit: Optisch behutsam weiterentwickelt, technisch auf der Höhe der Zeit und eine gute Figur On- und Offroad. Auch der zweite Evoque dürfte seine Fans finden. Für den schmalen Geldbeutel ist das Kompakt-SUV allerdings nicht zu haben: in Deutschland startet der Evoque bei 37.350 Euro.

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