| von Fabian Pertschy

Bis 2024 plant die PSA-Tochter jedes Modell in einer elektrifizierten Variante anzubieten. Allein in diesem Jahr will der Rüsselsheimer Hersteller im Rahmen seiner PACE-Strategie vier elektrische Modelle auf den Markt bringen. Den Anfang macht dabei der Grandland X Hybrid, der als Frontantrieb und Allradantrieb erhältlich sein wird. Bereits seit Juli letzten Jahres ist der erste Plug-in-Hybrid aus dem Hause Opel bestellbar. Nun hat er auch die Händler erreicht.

„Macht der Grandland X Hybrid für den Kunden überhaupt Sinn?“, fragt Opel Product Manager, Michael Walter, bei der Vorstellung des Kompakt-SUV wohl eher rhetorisch. Aufgrund der steigenden SUV-Verkäufe und bereits 180.000 verkauften Exemplaren des traditionellen Grandland X dürfte jedenfalls der Autobauer nicht an der Sinnhaftigkeit einer elektrifizierten Variante zweifeln. Unter anderem führt Walter finanzielle Ersparnisse wie Prämienzahlungen und Krafstoffersparnis an, um den Kunden von dem neuen Modell zu überzeugen.

Der Modus bestimmt die Leistung

Doch für den Allradler Hybrid4 spricht weitaus mehr: Im Vergleich zu seinen Pendants mit Verbrenner- und Elektro-Frontantrieb schlägt das von Opel minimierte, aber dennoch hohe Fahrzeuggewicht weniger zu Buche. Mit einer Systemleistung von bis zu 221 kW/300 PS und 520 Nm Drehmoment ist die Beschleunigung des 1,6 Liter-Turbobenziners und der zwei Elektromotoren an Front- (81 kW/110 PS) und Hinterachse (83 kW/113 PS) selbst bei starken Steigungen nicht zu verachten. Bei voller Systemleistung kann mit der Achtstufen-Automatik gar eine Höchstgeschwindigkeit von 235 km/h erreicht werden. Bei rein elektrischer Antriebsweise sind es mit 135 km/h gerade genug, um auf nahezu allen europäischen Autobahnen das Maximaltempo auszureizen.

An Front- und Hinterachse ist je ein Elektroantrieb zu finden.
Die vier möglichen Fahrmodi des Grandland X Hybrid4 bieten zudem eine flexible Anpassung an alle Umstände. Während im Hybrid-Modus automatisch die jeweils effizienteste Antriebsweise aus einem Zusammenspiel oder Wechsel von Verbrennungs- und Elektromotoren gewählt wird, erreicht das Fahrzeug im Sport-Modus die Höchstleistung. Im adaptiven Allrad-Modus sind wie auch im Elektro-Modus nur 135 km/h möglich. Im Regelfall erfolgt der elektrische Antrieb über die Hinterachse, wird mehr Leistung verlangt schaltet sich der Front- sowie bei plötzlichen Leistungsanstiegen der Verbrennungsmotor zu.

Maximale Rekuperation

Die von LG gefertigte 13,2 kWH-Lithium-Ionen-Batterie soll gemäß WLTP-Fahrzyklus bis zu 59 Kilometer weit reichen. Auch wenn dies laut Mathias Reinartz, Opel Director Low Emission Vehicles, in der Realität eher nicht zu erreichen ist, konnte der Hybrid bei der Testfahrt rein elektrisch knapp 50 Kilometer zurücklegen. Die Haltbarkeit schätzt Opel auf mindestens acht Jahre. „Wir sind von der Dauerhaftigkeit der Batterie überzeugt“, merkt Reinartz dazu an. An einer herkömmlichen Steckdose beträgt die Ladezeit rund sieben Stunden, an öffentlichen Ladestationen oder einer Wallbox ist der Akku nach knapp zwei Stunden wieder voll. Letztere kann vom Opel-Partner inno2grid installiert werden.

Ein Licht am Rückspiegel soll den elektrischen Betrieb signalisieren.
Um die Reichweite darüber hinaus zu optimieren, sorgt ein regeneratives Bremssystem für das teilweise Aufladen der Batterie während der Fahrt. Bei etwa 140 vornehmlich abwärts zurückgelegten Kilometern betrug die Rekuperation letztlich rund 15 Prozent der Distanz. Mit der „e-Save“-Funktion kann der Fahrer zudem eine Anzahl an Reservekilometern angeben, die etwa für den emissionsfreien Innenstadtverkehr aufgespart werden sollen. Bei in der Zukunft denkbaren Emissionskontrollen signalisiert ein Licht am Rückspiegel den elektrischen Betrieb für Außenstehende.

Auch Opel setzt auf eine App


Bei Infotainment und Konnektivität wartet Opel nicht unbedingt mit Überraschungen auf, lässt aber auch wenige Features vergleichbarer Hersteller vermissen. Der Hybride ist mit einem schlüssellosen Schließ- und Startsystem ausgestattet und ist der Fahrer im Inneren angelangt, gibt das acht Zoll große Farbtouchscreen Auskunft über Energieverbrauch und Energiefluss, Lade-, Betriebs- und Verbrauchsstatistiken sowie nächstgelegene Ladestationen. Das Navi 5.0 IntelliLink ist zudem kompatibel mit Apple CarPlay sowie Android Auto und ermöglicht die Nutzung von allerlei Apps wie etwa dem beliebten Musik-Streamingdienst Spotify.

Mit dem neuen OpelConnect-Service halten außerdem Funktionen wie Echtzeitinformationen über Verkehrsaufkommen und Spritpreise Einzug im Grandland. Via App lassen sich Fahrzeugdaten abrufen und eine direkte Verbindung zu Pannenhilfe und Notruf aufbauen. Für ein komfortableres Aufladen kann der Free2Move-Service, die Mobilitätsmarke der Groupe PSA, samt Ladepass und Fahrtenplaner genutzt werden. Die wichtigste Komfortfunktion dürfte jedoch das Vortemperieren mit Hilfe der myOpel-App sein: Befindet sich das Fahrzeug an einer Ladestation wird die dafür notwendige Energie ganz aus dem Stromnetz gezogen. Ob Winter oder Sommer: Die Insassen profitieren somit direkt beim Einsteigen von einer angenehmen Temperatur und müssen sich nicht um die Batteriekapazität sorgen.

Assistenz benötigt Vertrauen

Im Bereich Fahrerassistenz will Opel den anderen OEMs in nichts nachstehen und bietet ein breites Portfolio an Funktionen: Davon funktionieren einige jedoch nur rudimentär. Das beste Beispiel ist die Sprachassistenz, welche per Knopfdruck am Lenkrad aktiviert werden kann. Bis auf die Temperaturregelung und das Wechseln von Radiosendern hat der Assistent massive Probleme, die Spracheingaben zu verstehen und die Wünsche des Fahrers umzusetzen. Im Zweifelsfall wird eben immer die Temperatur auf Fahrerseite erhöht. Die Beifahrerseite ließ sich in der Praxis jedoch nicht anpassen. Auch Sprachbefehle des Beifahrers wurden nicht als solche erkannt, sondern beeinflussten lediglich die Fahrerseite.

Ein zweites Beispiel für die Ausbaufähigkeit der Systeme ist der Spurhalteassistent, der vor allem auf kurvigen Straßen nicht immer zuverlässig warnt und gegensteuert. Zwar gibt Opel an, das Fahrzeug wird durch diesen nicht kontinuierlich gelenkt, doch auch als Aufmerksamkeitshilfe lässt sich der Lösung nur schwer vertrauen, wenn das Fahrzeug mit zwei Reifen über der Linie in der Spur gehalten wird oder die Hilfe gerade in gefährlichen Kurven teilweise aussetzt.

Der Frontkollisionwarner erkennt auch passierende Fußgänger.
Äußerst hilfreich sind hingegen der Totwinkel-Assistent, der ein Warnsymbol im entsprechenden Außenspiegel anzeigt, der Geschwindigkeits-Assistent, der den gewählten Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug einhält sowie die Verkehrsschilderkennung. Bedauerlich ist allerdings, dass Letztere zwar eine schnellere Übernahme des Geschwindigkeitsbegrenzers ermöglicht, dies jedoch nicht automatisch vonstattengeht.

Auch der Frontkollisionswarner mit automatischem Bremsassistenten sowie Fußgängererkennung, der Müdigkeitswarner und das adaptive Fahrlicht sind praktische Ergänzungen. Doch besonders beim Parken zieht Opel alle Register: Einparkhilfe vorne und hinten, Rückfahrkamera, 360-Grad-Kamera mit Lenkleitlinien und ein mit sechs Ultraschall-Parksensoren ausgestatteter automatischer Parkassistent, der bei langsamem Vorwärtsfahren aktiviert werden kann, ermöglichen ein unfallfreies Einparken – egal ob vorwärts, rückwärts oder seitwärts.

Allokation der Produktion

Der Grandland X Hybrid4 basiert auf der flexibel einsetzbaren Efficient Modular Platform 2 (EMP2) und wird momentan noch in Eisenach und Sochaux produziert. Das französische Werk sei als Produktionsstandort jedoch nur in der Übergangsphase geplant, heißt es von Seiten Opels. Wann die Allokation abgeschlossen ist, stehe noch nicht fest. Im letzten Jahr hatte es Medienberichte über Umstellungsprobleme im Werk Eisenach und daraus resultierende Soll-Rückstände bei der Grandland-Produktion gegeben. Der ehemalige Standort für die Kleinwagenfertigung wurde für den Stadtgeländewagen neu ausgerichtet, soll nun aber reibungslos auf die Hybrid-Fertigung zugeschnitten sein.

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