| von Yannick Tiedemann

Der Opel Corsa gehört wie seine Vettern VW Polo oder der Ford Fiesta zu den Kleinwagen, die Generationen an Fahranfängern und Autoerstbesitzern die ersten Erfahrungen im Straßenverkehr ermöglichten, ohne viel Schnickschnack, pragmatisch orientiertem Design und mit einem kaum merklichen Fahrkomfort – Gegebenheiten, die wohl kaum jemanden beim ersten eigenen Auto gestört haben dürften.

Opel hat den Corsa nun zum sechsten Mal aufgelegt und er hat mit seinem kantigen Urahn aus den frühen 80ern wohl nur noch den Namen und die Segmentierung gemein. Sportlicheres Design, sparsamere Motoren und hohe technologische Ansprüche sind die Kernmerkmale des Corsa F, der sich mit den Schwestermodellen Peugeot 208 und dem DS3 eine Plattform teilt. Dennoch ist der Kleinwagen, der seit Mitte November für ein Basispreis ab 13.990 bei den Händlern steht, in vielen Aspekten eigenständig und kann sich im Segment durchaus sehen lassen. Und das liegt vor allem am Design und an einigen Technik-Features, die im Kleinwagen-Bereich sicher nicht häufig anzutreffen sind.

Den 4,06 Meter langen Fünftürer gibt es als Dreizylinder-Benziner mit 1,2 Liter Hubraum in den drei Leistungsstufen von 55 kW/75 PS bis 96 kW/130 PS. Die Diesel-Variante steht in einem 1,5 Liter großen Vierzylinder mit 75 kW/102 PS bereit. Neu ist auch bei Opel eine elektrifizierte Variante des Corsa, die ab Frühjahr 2020 erhältlich sein soll. Der Corsa-e soll dann eine Leistung von 100 KW/136 PS und ein Drehmoment von 260 Nm erreichen. Nach Unternehmensangaben kommt der Stromer mit einer 50 kWh-Batterie laut WLTP-Messung 330 Kilometer weit. Bei den aktuellen Testfahrten war der elektrische Corsa leider noch nicht zu fahren.

Doch auch bei den Benzin- und Dieselaggregaten hat man auf verbesserte Klimaverträglichkeit geachtet: Dank eines auf 980 Kilo verringerten Gewichts erreicht der Corsa einen deutlichen niedrigeren Kraftstoffverbrauch zwischen 4,7 und 3,2 Litern und einem CO2-Ausstoß von 85 bis 106 g/km. Im aktuellen Test kam der Corsa Elegance 1.2 Turbo mit 74 kW/100 PS und 205 Nm zum Einsatz.

Von außen kommt der Corsa F dank coupéhafter Dachlinie wesentlich sportlicher daher als sein Vorgänger, der sich aufgrund der langgezogenen Frontscheibe fast schon in Richtung Van orientiert hatte. Auf den ersten Blick erinnert Opels neueste Variante seines Bestsellers stark an den Premiumbruder Audi A1. Der Sport-Appeal setzt sich auch teilweise im Innenraum fort, wo der Fahrer wesentlich tiefer sitzt als bisher. Ansonsten bietet das Interieur bekannte Opel-Solidität ohne besondere Akzente zu setzen. Erwähnenswert sind der 10-Zoll-Farb-Touchscreen in der Mitte und das auf Wunsch integrierbare Display hinter dem Lenkrad, die den Corsa in Sachen HMI-Qualität näher an den Premium-Standard rücken lassen. Nur bleibt die Frage, wieso die Entwickler beim großen Touchscreen nicht die gesamte Breite des Displays ausgenutzt und stattdessen rechts und links zwei dicke schwarze Balken stehen gelassen haben.

Über das Infotainmentsystem lässt sich das neue Vernetzungssystem OpelConnect bedienen, dass die Opel-Ingenieure nach dem Konzernmutter-Wechsel von GM zu PSA in nur zweieinhalb Jahren aufgebaut haben. Der Service verfügt über Funktionen wie Live-Navigation sowie eine Verbindung zur Pannenhilfe und zum Notruf. Das Multimedia-System erlaubt wie zuvor auch schon die Integration von Apple CarPlay und Android Auto. Neu im Corsa sind auch zahlreiche Assistenzsysteme wie Verkehrszeichenerkennung, ein Tote-Winkel-Warner, eine automatische Geschwindigkeits-Anpassung oder ein Spurhalte-Assistent. Bei der Testfahrt stellte sich allerdings heraus, dass letzterer in einigen Situationen, sei es bei Dunkelheit oder Regen, den Dienst quittierte und das Steuer nicht übernahm. Hier ist eventuell noch technisches Feintuning angesagt.

Ein weiteres Feature, das man sonst nur in Premium-Gefilden antrifft, ist das neue Matrix-LED-Licht im Corsa. Die schon im Insignia und Astra eingebaute Lichttechnologie passt den Lichtstrahl automatisch und konstant der jeweiligen Verkehrssituation und Umgebung an. Bei Nachtfahrten außerhalb geschlossener Ortschaften erhellen die LED-Elemente den gesamten vorderen Bereich und sparen bei Bedarf bestimmte Sektoren im Sichtfeld aus, beispielsweise bei entgegenkommenden Autos. Das führt manchmal zu Verwirrung, wenn zum Beispiel im Sichtfeld bestimmte Zonen des Fernlichts plötzlich verschwinden.

Der neue Corsa hat nicht zuletzt dank dieser fortschrittlichen Funktionen das Dasein als pragmatischer Einsteiger-Kleinwagen ohne Zweifel hinter sich gelassen. Mit dem frischen, sportlichen Design, dem komfortablen Handling und den guten Verbrauchswerten setzt Opel ein Ausrufezeichen im Segment ohne an bestimmten Stellen zu übertreiben. Bleibt abzuwarten, ob auch die elektrische Version des Opel-Flitzers bei den Leistungswerten überzeugen kann. Dann können die Rüsselsheimer auch auf kommende Generationen an jungen Fahrern hoffen.

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