| von Hilmar Dunker

Auf den ersten Blick wirkt der A3 wie eine zaghafte Evolution. Denn das Format und mit ihm die Platzverhältnisse haben sich kaum geändert. Das Design ist nur behutsam weiterentwickelt, so dass der A3 schärfer und klarer aussieht und mit dem gestreckten Radstand ein wenig knackiger auf der Straße steht.
Aber es sind die inneren Werte, die den Fortschritt ausmachen: Denn im Ringen um die Krone in der Kompaktklasse setzt Audi vor allem auf jene Noblesse, die den A3 schon bei seinem Debüt 1996 ausgezeichnet hat. Doch heute, wo selbst die Koreaner mit Lack und Leder glänzen, ist es mit einer vornehmen Materialauswahl und einer guten Verarbeitung alleine nicht mehr getan. Deshalb rüstet Audi vor allem bei der Technik auf und spickt den A3 mit vielen Extras aus der Oberklasse. Zwar klettern die Preise dann schnell mal auf A4- oder gar A6-Niveau. Aber neben schmucken Zierleisten aus Glas oder Aluminium, fein genarbten Kunststoffen, weichem Leder und verchromten Handschmeichlern für Lüftung und Klimasteuerung gibt es dann eben auch die ersten Voll-LED-Scheinwerfer in der Kompaktklasse, ein Soundsystem von Bang & Olufsen, ein Navigationssystem mit Internetanschluss und Google-Suche sowie ein neues Touchwheel auf der Mittelkonsole, das die Handschrift des Fahrers lesen kann. Und natürlich flattern um den A3 jede Menge elektronischer Schutzengel: Der Wagen hält automatisch Abstand zum Vordermann, unterstützt bei Spurführung- und Spurwechsel, rangiert von alleine in die Parklücke oder spannt in gefährlichen Situationen Gurte und Bremsen vor. Für gewöhnlich geht so eine Aufrüstung zu Lasten des Gewichts und damit des Verbrauchs. Nicht umsonst sind die Autos in den letzten Jahrzehnten immer schwerer geworden. „Wir haben diesmal die Gewichtsspirale umgedreht“, rühmt sich Entwicklungsvorstand Michael Dick. Weil jetzt die Motorhaube und die Kotflügel aus Aluminium sind, die Karosseriestruktur aus hochfesten Stählen montiert wird und auch bei den Motoren, am Fahrwerk und im Innenraum um jedes Gramm gegeizt wurde, wiegt der A3 bis zu 80 Kilo weniger als sein Vorgänger und ist mit bestenfalls 1.175 Kilogramm so leicht wie vor 16 Jahren. „Ich wünschte, ich hätte mein Gewicht in dieser Zeit genauso gut gehalten“, scherzt dazu ein Audi-Sprecher.

Das geringere Gewicht spürt man nicht erst an der Tankstelle. Sondern auch beim Fahren wirkt der A3 schlank und handlich. Auf einer gewundenen Landstraße gibt er deshalb den agilen Kurvenräuber und schnürt fröhlich die Ideallinie entlang. Mit einer präzisen Lenkung und der serienmäßigen Quersperre in der ESP-Elektronik dreht er willig ein und mit ordentlichem Drehmoment zieht er aus den Kurven genauso schnell wieder heraus. Auf der Autobahn dagegen wirkt er gelassen und gediegen wie ein Großer, bügelt die Straße und rollt leise dahin. Diesen Spagat kann man mit jetzt auch im A3 noch steigern und erstmals das „Drive Select“-Programm nutzen: Mit elektronisch verstellbaren Dämpfern, einer unterschiedlichen Programmierung für die Lenkung und einer anderen Steuerung fürs Getriebe wird der Kompakte dann wahlweise noch knackiger oder noch komfortabler.Zum Start gibt es den A3 mit zwei Benzinern mit 90 kW/122 oder 132 kW/180 PS und einem neuen TDI-Motor. Der Vierzylinder hat zwei Liter Hubraum, kommt auf 110 kW/150 PS und macht bei der ersten Testfahrt eine gute Figur. Zwar knurrt er vielleicht noch ein wenig zu laut. Aber er wuchtet bis zu 320 Nm auf die Straße und bringt den A3 damit flott in Fahrt: Tempo 100 sind in 8,6 Sekunden erreicht, mit maximal 216 km/h muss man sich auch vor den größeren Limousinen auf der Überholspur nicht verstecken, und was man dort vielleicht trotzdem an Zeit verliert, macht man an der Tankstelle wieder wett. Denn zumindest im Normzyklus ist der Diesel mit 4,1 Litern zufrieden und kommt deshalb ohne Boxenstopp fast 1.200 Kilometer weit.Bei den drei Motoren wird es aber nicht bleiben. Noch in diesem Jahr folgen ein weiterer Diesel mit 1,6 Litern Hubraum und 77 kW/105 PS, der noch einmal drei Zehntelliter weniger verbraucht, ein 103/kW140 PS starker 1,4-Liter-Benziner mit Zylinderabschaltung und 4,9 Litern Normverbrauch sowie zur Preiskorrektur ein 1,8 Liter großer Sauger. Für Sparer folgen dann im Jahr darauf eine Erdgasvariante und 2014 ein Plug-In-Hybrid und für Sportler läuft sich bereits der neue S3 warm. Auch bei den Karosserievarianten geht es flott weiter: Der Sportback steht schon im Herbst in Paris und später gibt es neben dem Cabrio erstmals auch eine kleine Limousine. Innen nobler, auf der Straße sportlicher und sicherer, an der Tankstelle sparsamer und beim Händler mehr Auswahl denn je – so sieht sich Audi für das Gerangel am oberen Ende der Golfklasse bestens gerüstet, sagt Produktmanager von Ohain, der die Führungsposition des A3 eisern verteidigen will. „Wir waren in diesem Segment die ersten und wollen es auch bleiben.“ sp-x/bb

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