| von Stefan Grundhoff

Noch vor Jahren wäre es undenkbar gewesen, dass Erfolgsmodelle von Luxusmarken wie Bentley oder Rolls-Royce einen Hochsitz haben. Der Bentayga von Bentley hat es vorgemacht - der Cullinan von Rolls-Royce zog nach. Doch auch wenn der Bentayga als erste echte Alternative zum alt ehrwürdigen Luxusgeländemobil namens Range Rover innerhalb kürzester Zeit zum Publikumsliebling in Villengegenden von Beverly Hills, Grünwald oder Dubai wurde, gab es allemal Potenzial zur optischen wie technischen Optimierung. Gerade das Design von Front und speziell dem leicht unförmigen Heck hat nach der Überarbeitung nennenswert gewonnen. Vorne wie hinten gibt es nun deutlich Anleihen am ebenso eleganten wie sportlichen Bentley Continental GT. Optik und Fahrdynamik profitieren von der um zwei Zentimeter breiteren Spur an der Hinterachse. Verändert und somit moderner als bisher präsentiert sich das Cockpit. Die allzu betagten Analogrunduhren sind verschwunden und sind von einem zeitgemäßen Digitalcluster ersetzt. Die wichtigsten Informationen lassen sich zudem über ein Head-up-Display ins Blickfeld des Fahrers projizieren.

Mit dem Topmodell des Bentayga W12 ist es zumindest in Europa erst einmal Schluss. Der prächtige V8-Diesel wurde bereits vor der Modellpflege gestrichen und auf den neuen Plug-in-Hybriden mit mehr Reichweite als die aktuell rund 30 elektrischen Kilometer müssen die Kunden ebenfalls noch bis 2021 warten. Bis das Topmodell des Bentley Bentayga Speed wohl zum Jahresende auf die internationalen Märkte rollt, muss es daher als Alleinunterhalter der Bentayga V8 richten. Und dieser vier Liter große V8-Doppelturbo - im Volkswagen-Konzern mannigfaltig in Edelfahrzeugen aller Art verbaut - ist eine grandiose Besetzung. Das gilt für die Leistungsentfaltung des 404 kW / 550 PS starken Achtzylinders ebenso wie für den Klang, der nicht nur im Sportmodus mit seinem satten Bass betört. Der neue Bentley Bentayga ist mit seinem Leergewicht von mehr als 2,4 Tonnen ein gewaltiger Koloss und es überrascht, wie sehr der Brite aus dem hinterweltlerischen Crewe dies in weiten Teilen des Fahrbetriebs übertünchen kann. Allein wenn es sehr dynamisch wird und um enge Kurven geht, macht dem Bentayga V8 die Physik einen Strich durch die dem Fahrer vorgegaukelte Scheinwelt, dann drückt er trotz seines exzellenten Fahrwerks, Wankstabilisierung und massiger 22-Zoll-Walzen nach außen. Die Lenkung ist präzise, könnte jedoch etwas schwergängiger sein und im Sportmodus dürfte der Wankneigung mehr Einhalt geboten werden.

Geht es voran, sieht das Ganze völlig anders aus, denn dank eines massigen Drehmoments von 770 Nm schiebt der 5,13 Meter lange Bulle aus Crewe lautstark und mit Nachdruck nach vorn, als gäbe es kein Morgen. Aus dem Stand geht es in 4,5 Sekunden auf Tempo 100 und erst jenseits der 300 km/h hält der digitale Tachometer inne. Offiziell sollen das 290 km/h sein. Wer das Potenzial des Motors nach oben ausreizt, hat keine Chance, sich über einen Durchschnittsverbrauch von 13,3 Liter Super auf 100 Kilometern zu freuen. In der Realität dürfte die meisten Kunden ohnehin deutlich mehr interessieren, nicht so oft die Zapfsäule aufsuchen zu müssen. Die maximale Reichweite von knapp 650 Kilometern ist jedoch durchaus auf Dieselniveau. Klasse: Bremsen und die Achtstufenautomatik aus dem Hause ZF, die einen deutlich besseren Job als die achtstufige Doppelkupplung in Flying Spur und Continental GT macht.

Innen moderner

Der Klang des aufgeladenen Achtzylinders ist dank aktiver Klappenanlage sonor und beeindruckend zugleich. Wem das als Unterhaltung im opulent belederten Innenraum nicht reicht, der kann in der Ausstattungsliste aus zwei Soundsystemen wählen. Bereits das Basismodul umfasst ein Paket mit zwölf Lautsprechern und 590 Watt. Wenn es noch mehr Untermalung während der Fahrt sein soll, steht ein Unterhaltungssystem der Spezialfirma Naim mit 20 Lautsprechern und 1.780 Watt bereit. Da passt es gut, dass sich auch der Innenraum in einem etwas moderneren Ambiente als bisher zeigt. In der Mitte der Armaturentafel gibt es ab sofort ein 10,9 Zoll großes Multifunktionsdisplay, auf dem sich Navigation, Soundsystem und die Bedienung der Fahrzeugfunktionen visualisieren lassen.

Überfällig waren für ein Modell dieser Preisklasse die drahtlose Anbindung von Apple Car Play und Android Auto als Bedienmodul des eigenen Smartphones. Auch wenn die Langversion nach wie vor ebenso außen vor bleibt wie das geplante SUV-Coupé, ist der mindestens 182.000 Euro teure Bentley Bentayga mit einem Radstand von knapp drei Metern in drei Variationen und somit wahlweise mit vier Einzelsitzen, fünf Sitzplätzen oder als sogar als Siebensitzer zu bekommen. "Mit dem neuen Bentley Bentayga legen wir die Messlatte im Segment der Luxus-SUV noch ein ganzes Stück höher - und damit noch unerreichbarer für unsere Wettbewerber", gibt sich Bentley-CEO Adrian Hallmark gewohnt selbstbewusst, "wir haben unseren Kunden sehr genau zugehört und die Bereiche optimiert, die ihnen am wichtigsten sind." Der Fußraum im Fond wurde je nach Sitzkonfiguration um drei bis zehn Zentimeter vergrößert - hier hatte es vielen Kunden am meisten gefehlt. Weniger interessant ist der Laderaum, der je nach Sitzkonfiguration zwischen 392 und 1.774 Litern liegt.

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