| von Wolfgang Gomoll

Lassen wir zunächst mal Fakten sprechen. Das Auto wiegt 2.270 Kilogramm, ist 5,01 Meter lang und 1,71 Meter hoch. Unmöglich, dass so eine rollende Schrankwand auch nur im Ansatz agil sein kann - diese Annahme war bis vor wenigen Jahren nicht von der Hand zu weisen. Doch die Zeiten haben sich geändert: Der Audi SQ8 TFSI ist bis unter die Motorhaube vollgepackt mit modernster Technik, die auch so einem massiven Schwergewicht das Tanzen beibringen sollen. Angefangen von der Hinterachslenkung über das Sportdifferenzial hinten, einer 48-Volt-Wankstabilisierung bis hin zum 373 kW / 507 PS starken Vierliter-Biturbomotor. Der ist ohnehin das Herz des Power-SUVs. Schon im Stand brabbelt der Achtender sonor vor sich hin und macht Lust auf mehr. Also den Ganghebel, der auch aus einem Flugzeug stammen könnte, in die D-Position schieben und los geht es.

So ein moderner Crossover kommt der automobilen eierlegenden Wollmilchsau schon ziemlich nahe, zumal der Audi mit der sportlich abgestimmten Luftfeder ausgestattet ist. Damit kann die Karosserie in einem Korridor von 90 Millimeter noch oben oder nach unten bewegt werden: Mehr Bodenfreiheit, wenn es über Stock und Stein geht und tiefer an den Asphalt heran, wenn Dynamik gefragt ist. Das Hirn des SQ8 ist Audis Elektronische Fahrwerkplattform (EFP), die alle Aktuatoren, Fahrwerksysteme und Steuergeräte koordiniert, um - je nach Pilotenwunsch und Fahrsituation - das Optimum aus dem Auto herauszuholen. Das wird unter anderem durch die Fahrmodi vorgegeben. Zur Wahl: Comfort, Auto, Dynamic, Efficiency, Allroad, Offroad und Individual.

Auch wenn die Allradlenkung sich diesem Diktat der EFP nicht beugt, ergänzt sie das Zusammenspiel der Systeme prächtig. Unglaublich, wie dieser 2,3-Tonnen-Kreuzer um die Ecken pfeift. Audi stößt damit in Regionen vor, die bisher die Domäne eines Porsche Cayenne waren. Das liegt auch an der Lenkung, die endlich den Fähigkeiten des Autos gerecht wird. Das Dirigieren des tonnenschweren Schiffs geht mit einer entspannten Selbstverständlichkeit von der Hand und folgt einem vertrauten Vierklang: Anbremsen mit den Carbon-Keramikscheiben, die dem großen SUV gewachsen sind, Einlenken, den Scheitelpunkt anvisieren und mit progressivem Gasgeben raus aus der Ecke. Autobahnen sind mit diesem SUV ein notwendiges Übel, Landstraßen ein Geschenk. Die dort erlaubte Höchstgeschwindigkeit ist bereits nach 4,1 Sekunden erreicht, was bei den Fahrern der kleinen rollenden Wespen mit aufgepumpten Vierzylindermotoren zu großen ungläubigen Augen führt, wenn der SUV im Rückspiegel auftaucht.

Mehr Platz im SQ7

Schiebt man den Automatikhebel in die S-Stellung, gehen die Schaltvorgänge noch schneller vonstatten und stopfen das kleine Turboloch, das sich bei niedrigen Drehzahlen auftut. So kann der Achtender seine Kraft entfalten und das maximale Drehmoment von immerhin 770 Newtonmetern so gut es geht nutzen. Unsere Empfehlung ist, den Antriebsstrang auf "S" zu stellen und die Dämpfer sowie die Lenkung im Komfort-Modus zu belassen. Denn der Audi SQ8 ist grundsätzlich straffer abgestimmt, auch wenn das Luftfahrwerk auch im Kommod-Kapitel einige Punkte einfährt. Wenn man es entspannt angehen lasst, kann das Triebwerk auch anders: Bei Bedarf verabschieden sich vier Zylinder vom Arbeitseinsatz und drücken so den Verbrauch auf 12,1 Liter pro 100 Kilometer.

Der Audi SQ8 schlägt sich also auch als Langstreckenfahrzeug prächtig und für die Familie ist ebenfalls genug Platz. Dazu passt auch der Kofferraum, der 605 Liter fasst und mit dem Umlegen der Rückbank auf 1.755 Liter wächst. Wer noch mehr Gepäck mitnehmen will, wählt den fünfsitzigen Audi SQ7 und kann 803 bis 1.980 Liter nutzen. Der SQ7 TFSI steht seinem coupéartigen SQ8-Bruder bei der Fahrdynamik nur wenig nach, spielt aber mit der Maximal-Reifengröße von 22 Zoll gegenüber den 23-Zoll-Pneus beim SQ8 TFSI die Komfortkarte. Beide stehen noch im Herbst beim Händler und der Audi SQ7 kostet 93.287,40 Euro rund 8.000 Euro weniger als der SQ8 für 101.085,72 Euro.

Hinter dem Lenkrad geben sich beide Crossover nicht viel. In den Sportsitzen fühlt man sich wohl, das Head-up-Display zeigt die Informationen in einer sehr guten optischen Qualität, was auch für das virtuelle Cockpit gilt. Die Kommandozentrale ist der 10,1 Zoll große Touchscreen, wie man ihn schon aus dem Audi A8 kennt. Bei den Assistenzsystemen bleiben ebenfalls kaum Wünsche offen - sei es beim toten Winkel oder beim Stau-Assistent, der später noch durch ein kapazitives Lenkrad ergänzt wird. Gerade bei solchen großen Fahrzeugen sind zwei Helfer von großem Nutzen: Auf Knopfdruck parken die SUVs selbstständig in Längs- sowie Querparklücken ein und aus. Der Manövrierassistent erkennt bei Geschwindigkeiten bis zu 10 km/h mithilfe der Ultraschallsensoren und den Kameras rund um das Auto stehende Objekte, die größer als etwa 20 Zentimeter sind, und bremst automatisch bis zum Stillstand. Das sind gute Nachrichten für abgestellte Fahrräder und Mofas. Auch beim Rangieren in Tiefgaragen verlieren Säulen und parkende Fahrzeuge ihren Schrecken.

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