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Tim von Törne: „Wir glauben an die Hardware der deutschen Autobranche, aber die weitere Entwicklung des Autos und neuer Features ist keine Weiterentwicklung des Wagenbaus, sondern von innovativen Softwarelösungen.“

| von Werner Beutnagel

Im Rahmen des Zukunftskongresses des Think Tanks 2b Ahead in Wolfsburg Die Idee der Gründer: Ein System, das es ermöglicht, autonome Fahrfunktionen hardwareseitig nachzurüsten, per Software-Update stets auf dem neuesten Stand zu halten und per eigenem App Store modular zum Kunden zu bringen. carIT hat sich mit Tim von Törne, COO und Co-Founder von Kopernikus Automotive, über das System unterhalten.

Herr von Törne, welche technischen Nachrüstungen sind nötig, um das System von Kopernikus Automotive zu implementieren und auf welchem Stand befindet sich die Lösung momentan?

Die Basisausstattung, die wir benötigen, ist neben einer Automatik ein Parklenkassistent und ein Abstandstempomat. Das Auto muss also die Aktuatoren zur Längs- und Querführung haben. Was wir nachrüsten ist ein zentraler Computer zur Steuerung, der Zugriff auf das Radar-System des Abstandstempomaten und die Parksensoren hat. Außerdem rüsten wir sieben Kameras nach und potentiell künftig ein Lidar-System. Wir brauchen eine Verbindung an den Kabelbaum, der Rest funktioniert über Software. Wir stellen eine Delivery-Plattform zur Verfügung, so dass Over-the-Air Funktionen implementiert werden können. Über unseren App-Store können so modular verschiedene Pakete gebucht werden, die zum Beispiel den unterschiedlichen Anforderungen in verschiedenen Ländern gerecht werden. Im Moment ist das System Level 3-tauglich, eines unserer Partnerunternehmen hat jedoch bereits Level 4-Funktionen über unsere Plattform realisiert.

Der Slogan von Kopernikus Automotive ist „The most autonomous Car. Always“. Was macht die Lösung autonomer als die Lösungen von Autoherstellern oder IT-Riesen wie Google?

Mit unserer Lösung kann der Kunde selbst eine Software oder ein Update ins Fahrzeug bringen. Im Vergleich zur bisherigen Logik der Autohersteller setzen wir nicht auf Lösungen, die von Werk aus implementiert und bis zum Ende des Produktlebens genutzt werden, sondern auf eine Software, die tagesaktuell aktualisiert werden kann. Wir stellen dabei die Middleware zwischen der Selbstfahr-Software und dem Auto zur Verfügung, die Entwicklung der Software übernehmen unsere Partnerunternehmen. Von uns wird diese dann gegengetestet und in die Fahrzeuge gebracht. Als Hardware, auf die unsere Software aufsetzt, kommt das System Drive PX 2 von Nvidia in Verbindung mit Kameras und später mit Lidar zum Einsatz. Generell kommt unser Gründerteam aus dem Software-Bereich. Wir wissen also um die disruptive Kraft der Software, jede Branche umzukrempeln. Wir glauben an die Hardware der deutschen Autobranche, aber die weitere Entwicklung des Autos und neuer Features ist keine Weiterentwicklung des Wagenbaus, sondern von innovativen Softwarelösungen. Dafür waren die deutschen Autobauer bislang nicht aufgestellt und haben nun Nachholbedarf.

Unter anderem ist der Think Tank 2b Ahead als Investor bei Kopernikus Automotive mit dabei. Wie profitiert Kopernikus Automotive von der Kooperation?

Wir profitieren unter anderem vom Netzwerk von 2b Ahead, in dem sich viele innovations- und zukunftsbejahende Experten finden, von denen einige inzwischen selbst zu Investoren geworden sind. Auch der Kontakt zu Amag, unserem Hauptinvestor, ist über dieses Netzwerk entstanden.