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Eine Kamera könnte künftig zahlreiche Sensoren, Radar- oder Lasersysteme ersetzen. Bild: Magna

| von Pascal Nagel

Bisher sind elektronische Helfer im Auto noch sehr teuer. Allein ein Radarsensor in der Front kostet um die 100 Euro und daneben arbeitet eine weitere Heerschar von Sensoren, Ultraschall-Helfern oder Stereokameras in solcherart ausgerüsteten Fahrzeugen. Das will der austro-kanadische Zulieferer Magna jetzt ändern – und damit die Ausstattung mit elektronischen Schutzengeln mehr Autofahrern zugänglich machen. Denn den Entwicklerteams im Großkonzern ist es gelungen, mit einem einzigen Hilfsinstrument die ganze Armada an Sicherheitstechnik umzusetzen: Eine Kamera mit nur einer Linse über dem Innenspiegel übernimmt alle Aufgaben, die bisher noch zusätzlich Radar, Laser oder Ultraschall erfordern.

Bei ersten Tests mit Prototypen auf öffentlichen Straßen rund um die steirische Hauptstadt Graz zeigt das System, was es kann. Ein solcherart ausgestatteter Volkswagen Passat älterer Bauart hält selbsttätig die Spur, bremst brav hinter einem Traktor – und beschleunigt nach dessen Abbiegen wieder zur vorher gewählten Geschwindigkeit. Auch eine autonome Notbremsung ist selbst aus hohen Geschwindigkeiten möglich. All das ohne das bisher obligatorische Radar im Kühlergrill – allein mit Hilfe der neuen Kamera. Das macht die lebensrettende Ausstattung wesentlich billiger, und damit auch „zum Einsatz als Kleinwagen-Standard erschwinglich“, so Joel Gibson, Director Image Vision Systems bei Magna. Das Kamerasystem kostet weniger als 100 Euro. Derart ausgestattet würden zum Beispiel Versicherer solche Fahrzeuge auch billiger in Haftpflicht und Kasko einstufen, so dass der Mehrpreis für den Kunden schnell refinanziert ist.

In Fahrzeugen von Opel etwa baut Magna bereits Vorläufer dieser Kamera-Generation ein. Damit lassen sich Fahrbahn-Markierungen und Abstände schon erkennen – und der Fahrer wird gewarnt. Für das selbsttätige Eingreifen des Systems braucht es noch rund drei Jahre, so Gibson. Die nötigen elektronischen Lenkungen und kräftigere Bremskraftverstärker sind bis dahin auch beim Kleinwagen flächendeckend verbreitet. Man setzt auf die Kamera – nicht nur hinter der Windschutzscheibe. Auch die Rückfahrkamera ist nach Meinung der Magna-Macher ja bisher nur ein dummes Gerät. Das wollen die Entwickler jetzt ändern – zumal Rückfahrkameras etwa in den USA ab 2018 für alle neuen Fahrzeuge sowieso zwingend vorgeschrieben sind. „Da können wir sie ja auch gleich klüger machen“, so Gibson.

Die Rückfahrkamera wird dazu jetzt ebenfalls mit höherer Auflösung und eigener Software aufgepeppt – und kann dann auch genutzt werden, um den Wagen selbsttätig einzuparken. Rückwärts, vorwärts, quer und schräg funktioniert das tadellos. Sparen kann sich der Käufer so die Ultraschall-Parkpiepser vorn und hinten in der Stoßstange.  Gibson ist sich sicher: „Das Geräusch wird niemand vermissen.“ Im Gegensatz zum Außenspiegel. Der soll das dritte große Einsatzgebiet der Super-Kameras werden. Mit ihrem 180-Grad-Blickwinkel sehen die nämlich wesentlich mehr als jeder Fahrer beim Blick in den normalen Spiegel – selbst, wenn der schon einen Totwinkelwarner mit Radar an Bord hat. Bisher hat der Rückspiegel zwar noch gesetzlichen Artenschutz; aber die neue ISO-Norm 16505 wird statt Spiegelglas bald auch Kameras möglich machen. Die könnten die Rückansicht dann sogar auf ein Head-up-Display vor dem Fahrer einspielen. Der Traum von den Augen im Hinterkopf könnte also bald wahr werden. sp-x/Red

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