| von Gert Reiling

Bis 2020  will die EU-Kommission eine Halbierung der Verkehrstoten-Zahl im Vergleich zu 2010. Helfen können dabei vor allem moderne  Fahrassistenzsysteme, meint die DEKRA.

Nach den Insassen von Pkw sind Fußgänger die zweitgrößte Gruppe unter den Getöteten auf deutschen Straßen. 520 Fußgänger kamen im vergangenen Jahr ums Leben, das sind 15 Prozent aller Verkehrstoten. Betrachtet man die gesamte EU, machen getötete Fußgänger über 20 Prozent aller Todesopfer im Straßenverkehr aus.

,,Diese Zahlen zeigen das Verbesserungspotenzial in Sachen Verkehrssicherheit gerade mit Blick auf die Fußgänger,“ sagt Clemens Klinke, im DEKRA-Vorstand für die Business Unit Automotive zuständig, auf der  IAA 2013 in Frankfurt. ,,Für sie ist ein Schutz durch passive Sicherheitsausstattung von Fahrzeugen nur begrenzt möglich, insofern spielen aktive Sicherheitssysteme hier eine besonders große Rolle.“ DEKRA hat den Vorsitz des 2009 gegründeten Arbeitskreises ,,vFSS – vorausschauende Frontschutzsysteme“, in dem sich erstmals alle deutschen und einige ausländische Autohersteller, die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) sowie die Versicherungswirtschaft zusammengefunden haben.

,,Viele Autohersteller arbeiten in ihren Entwicklungsabteilungen mit Hochdruck an Systemen, die querende Fußgänger erkennen, einen unachtsamen Fahrer davor warnen und notfalls das Fahrzeug abbremsen können“, so Clemens Klinke. ,,Einige solcher Assistenzsysteme stehen kurz vor der Markteinführung und werden hier auf der IAA präsentiert. Ziel muss es sein, dass die Marktdurchdringung derartiger Systeme von der Luxusklasse in die Volumenmodelle so schnell wie möglich voran kommt.“

Nicht zuletzt um diesen Prozess zu beschleunigen, hat der Arbeitskreis vFSS objektive und international beachtete Verfahren entwickelt, um Systeme zum Fußgängerschutz zu testen. Die erste Testanlage, die gezielt auf diese Anforderungen zugeschnitten ist, hat DEKRA im Sommer 2013 am Automobil Test Center (DATC) im brandenburgischen Klettwitz eröffnet.

Die Anlage kann praktisch alle denkbaren Gefahrensituationen abbilden. Damit Fahrzeug und Dummy beim Test unbeschädigt bleiben, wird der Dummy Sekundenbruchteile vor der Kollision zur Seite gezogen. Ob das jeweilige Assistenzsystem Fußgänger mit Radar-, Lidar-, Infrarot- oder Videotechnik oder einer Kombination unterschiedlicher Sensoren erkennt, spielt für die Testanlage keine Rolle.