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Der chinesische Hersteller EHang schickt seine „bemannte Drohne“ auf Testflüge. Bilder: EHang

| von Werner Beutnagel
Mein Ziel ist es, auch Visionen aufzuzeigen“, sagte sie im ZDF Anlass genug also, um mal genauer hinzuschauen, wie es um die Flugtaxis steht

Der chinesische Drohnen-Hersteller EHang hat Fotos von den Testflügen seines neuen Modells EHang 184 veröffentlicht, das mit acht Propellern angetrieben wird. Bei diesem System handelt es sich um eine „bemannte Drohne“. Das Modell 184 kann einen Passagier mit bis zu 130 km/h durch die Luft befördern. Die Steuerung erfolgt dabei entweder von einem C&C-Center aus oder völlig autonom. Hierzu gehören mehrere unabhängige Flugkontrollsysteme, die automatisch die schnellste und sicherste Route berechnen. Später soll es auch eine Version mit einer manuellen Steuerung geben, sodass Passagiere mit Piloterfahrung das System selbst steuern können.

Auch wenn es sich bei diesem System nur um eine Konzeptstudie handelt, so ist der weltweite Trend nach Flugtaxis unübersehbar. Am weitesten ist man auf diesem Gebiet in Dubai fortgeschritten. Dort wollte man schon im vorigen Jahr den allgemeinen Testbetrieb mit dem EHang 184 aufnehmen, doch bislang hat man damit noch nicht begonnen. Das liegt vor allem an der Technologie. „Die tief angelegten Propeller, die sich beim Start und Landung in Hüfthöhe befinden, werden niemals irgendwo eine Betriebserlaubnis erhalten“, sagt Michael Blades, Analyst für Luft- und Raumfahrt bei Frost & Sullivan.

In Dubai fokussiert man sich deshalb auf das Konzept des deutschen Volocopters, der dort seit Ende 2017 im Testbetrieb im Einsatz ist. Seine 18 Propeller sind oberhalb der Kabine angebracht. „Das Volocopter-Design, bei dem alle Propeller über dem Kopf angebracht sind, überzeugt. Nur solche Konstruktionen sind sicher und haben weltweit eine Zulassungs-Chance“, so Blades weiter.

Der Volocopter ist genauso wie der EHang 184 vollständig Batterie-betrieben, was von verschiedenen Experten als problematisch angesehen wird. „Noch sind die Batterien zu schwer; sie reduzieren die netto verfügbare Nutzlast erheblich“, meint Rob Enderle vom Consulting-Unternehmen Enderle Group. Dieses Problem zeigt sich unter anderem an der Reichweite. Der Volocopter schafft unter optimalen Bedingungen maximal 27 Kilometer, beim EHang 184 sind es mit 40 Kilometer nur unwesentlich mehr. Etwas besser ist es dann erst beim SureFly von Workhorse. Dieser Zweisitzer verfügt über einen Hybrid-Antrieb bei dem der Batterie-Antrieb durch den Motor eines BMW i3 ergänzt wird. Damit schafft das System dann eine Reichweite von 112 Kilometer.

Viele Flugtaxi-Konzepte entstehen derzeit in Kooperation von Startups und Transport-Unternehmen. Workhorse kooperiert beispielsweise mit UPS. Uber hat mit UberAir einen eigenen Bereich geschaffen und kooperiert mit verschiedenen Technologie-Unternehmen. Deren Systeme sollen auch vertikal starten und landen, doch im Flug sollen sie in den Horizontalflug übergehen. Geplant sind Testflüge in zwei Jahren in Dallas und Los Angeles. Auch der Flugzeughersteller Airbus ist auf diesem Gebiet aktiv. Soeben konnte man den erfolgreichen Testflug des Vahana-Systems melden – auch wenn der Flug nur 53 Sekunden dauerte und nur eine „Flughöhe“ von fünf Meter erreicht.

Ob und wie sich diese Systeme durchsetzen können, wird derzeit noch skeptisch beurteilt. „Irgendwann wird diese Technologie sehr verbreitet sein, aber es wird nicht so schnell kommen, wie es uns manche Protagonisten glauben machen wollen“, meint Frost & Sullivan-Experte Michael Blades. Andere Analysten sind noch skeptischer. „Es wird ein Nischenmarkt bleiben, der sich auf Zubringerdienste zu Flughäfen oder für Notdienste und Polizei-Einsätze beschränken wird“, glaubt Michael Jude, Forschungsdirektor bei Stratecast.

Autor: Harald Weiss

 

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