Viele Automobilzulieferer haben inzwischen den Trend erkannt, dass Fahrzeug-IT zum primären Innovationstreiber der Branche aufsteigt. Um im schnelllebigen Feld der IT-Entwicklung im Fahrzeug mithalten zu können, sollten die Zulieferer von der IT-Industrie lernen und sich nicht vor entsprechenden Kooperationen scheuen. Dies ist das Ergebnis der Studie „Car IT – Trends, Chancen und Herausforderungen für Automobilzulieferer“ der Strategieberatung Oliver Wyman.
Bis zum Jahr 2016, so die Studie weiter, wird die Zahl der Connected Cars auf 210 Millionen ansteigen, etwa 80% aller Neuwagen werden bis dahin vernetzt sein. Bis zu 90% aller künftigen Innovationen im Fahrzeug wären aus Sicht der Autoren ohne den Einsatz der IT nicht möglich. Grund für den Trend zur Vernetzung ist hierbei die gestiegene Erwartungshaltung des Kunden, der von den Automobilherstellern in immer kürzeren Zyklen eben jenen Bedienkomfort erwartet, den Elektronikprodukte wie das Smartphone bieten. Hinzu kommt die Möglichkeit, neue Sicherheits-,Assistenz- und Komfortfunktionen ebenso ins Fahrzeug zu integrieren wie innovative Bedienkonzepte, was vielen Automobilzulieferern neue Geschäftsbereiche eröffnet.
Auf der Prioritätenliste der befragten Top-Manager logiert das Thema Car IT inzwischen gleich nach den Bereichen Kostendruck, Globalisierung und Innovationsdruck auf Augenhöhe mit Themen wie Elektromobilität und Leichtbau. Vor allem die Bereiche Infotainment, Telematik und Sicherheit sind hierbei in den Fokus der Zulieferer gerückt.
Etwa 90% der befragten Manager sehen im Wandel von hard- zu softwareseitigen Lösungen und der hiermit einhergehenden Modularisierung der Fahrzeug-IT Möglichkeiten, Stückkosten zu senken. Neben wirtschaftlichen Vorteilen bietet sich allerdings durch ein innovatives Produktportfolio auch die Chance, sich vom Wettbewerb abzusetzen. „Denn wer eine IT-Plattform entwickelt, die so attraktiv ist, dass OEMs sie übernehmen, kann seinen Platz in der Lieferkette selbst definieren“, verdeutlicht Juergen Reiner, Partner bei Oliver Wyman und Autor der Studie.
Die Studie betont zwar Risiken wie die Kommodifizierung von Soft- und Hardware, den Einzug von branchenfremden Playern in den Bereich der Fahrzeug-IT oder steigende Entwicklungskosten und Systemkomplexität. Dennoch sehen 87% der Befragten in der zunehmenden Vernetzung des Fahrzeugs eher eine Chance als ein Risiko.
Verbesserungsbedarf attestiert die Studie den Zulieferern im Bereich des Innovationsmanagements und des IT-Scoutings. Hier seien die Maßnahmen der Supplier nicht zielgerichtet genug. Gleiches gilt für die Bereiche Projektorganisation, IT-gerechtes Kosten-Nutzen-Management oder Vertriebsmanagement von IT-Services. Ebenso fehlen der Branche Kooperationen mit Forschungsinstitutionen und Unternehmen der IT- und Softwareindustrie. Der Aufbau von IT-Kompetenzen, etwa für die Produktentwicklung, ist hierbei, so die Studie weiter, für den künftigen Erfolg am Markt essentiell. „Es ist für die Automobilzulieferer wichtig, die Prozesse, Tools und Verfahren der kommerziellen IT zu beherrschen. Das erfordert eine komplette Transformation der Entwicklungsabteilungen und reicht bis zum Einrichten von Softwarefabriken“, macht Studienautor Juergen Reiner deutlich. „Gewinnen wird derjenige, der es schafft, sich als End-to-end-Betreiber von IT-Lösungen im Fahrzeug zu positionieren.“
Weitere Ergebnisse der Studie „Car IT – Trends, Chancen und Herausforderungen für Automobilzulieferer“ der Strategieberatung Oliver Wyman finden sich hier.

