Interview: Das Auto der Zukunft

Heinrich M. Arnold Heinrich M. Arnold, Leiter für Innovation Development bei den Deutsche Telekom Laboratories, über das Auto der Zukunft.

Herr Arnold, warum fanden das Automobil und die IKT-Welt so lange nicht zueinander?

Dafür existieren mehrere Gründe. Zum einen ist der Entwicklungszyklus für ein Fahrzeug mit etwa drei Jahren relativ lang. Zum anderen ist es noch nicht so lange her, dass die Mobilfunktechnologie eine interessante Übertragungsrate erreicht hat. Die ersten Anläufe, Telematiksysteme in Fahrzeugen zu nutzen, liegen mehr als zehn Jahre zurück und sind hauptsächlich am Preis gescheitert.

Stichwort Navigation im Auto: Wie lange noch müssen sich Autofahrer jährlich ein CD- oder DVD-Update kaufen? Wann wird endlich die neueste Karteninformation per Satellit in den Rechner im Auto gespielt?

Technisch ist dies bereits heute möglich. Allerdings sind die Kosten für die Produktion einer solchen DVD sehr viel geringer als eine Datenübertragung per Satellit oder Mobilfunk, da die notwendige Technik in jedem Auto zur Verfügung stehen müsste. Es existieren Studien, nach denen im Jahr 2015 jedes zweite verkaufte Neufahrzeug über eine Internetanbindung verfügen wird. Bis dahin wird die mobile Datenübertragung mit hohen Geschwindigkeiten vielerorts verfügbar sein, so dass ein Kartenupdate ohne physische Medien wie CDs oder DVDs sehr wahrscheinlich ist. Ebenfalls denkbar ist, dass überhaupt kein Kartenmaterial mehr im Fahrzeug benötigt wird, da es während der Fahrt aus dem Internet geladen werden kann. Teilweise wird dieses Verfahren bei der Navigation mit Mobiltelefonen – der so genannten Off-board-Navigation – angewendet.

Wann können Verbraucher mit einem wirklich „denkenden Auto” rechnen?

Derzeit existiert bereits eine Vielzahl von Forschungsprojekten, deren Anliegen es ist, das „denkende Auto” mit einer intelligenten Verkehrsinfrastruktur kooperativ zu vernetzen. Das wichtigste ist das Verkehrsforschungsprojekt „Sichere Intelligente Mobilität Testfeld Deutschland” – kurz SIM-TD. Der „Startschuss” für den Feldversuch zur Fahrzeug-Fahrzeug- und Fahrzeug-Infrastruktur-Kommunikation ist im November 2008 erfolgt. SIM-TD ist da-mit der weltweit größte Feldtest zur Car-2-X-Kommunikation.

Wer engagiert sich bei SIM-TD und welche Aufgaben übernimmt die Deutsche Telekom in diesem Projekt?

Im Projekt SIM-TD hat sich ein Konsortium zusammengefunden, das die wesentlichen Interessensgruppen zur Einführung eines solchen Car-2-X-Kommunikationssystems umfasst. Die Telekom Laboratories und die Großkundensparte T-Systems arbeiten in diesem Projekt zusammen: Jedes Fahrzeug der Stichprobenflotte erhält eine SIM-Karte von T-Mobile. Wir prüfen auch den zusätzlichen Einsatz von Mobilfunk im Rahmen des SIM-TD-Projektes, beispielsweise für ergänzende Dienste oder zur Anbindung der Verkehrsinfrastruktur (Roadside Units) an die entsprechende Verkehrsleitzentrale. Das kann notwendig werden, wenn eine Verbindung per Kabel aufgrund der Distanz wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll ist. Zum Testeinsatz kommt auch ein neuer WLAN-Standard (IEEE 802.11p) für schnelle und sichere Übertragungen.

 

 

Heinrich M. Arnold

Heinrich M. Arnold leitet seit 2004 Innovation Development – angewandte Konzern-F&E – bei den Deutsche Telekom Laboratories und bei weiteren durchführenden Einheiten im Konzern als auch mit externen Partnern und Auftragnehmern. Vor seiner Tätigkeit für die Deutsche Telekom AG arbeitete er für die internationale Unternehmensberatung Mercer Management Consulting und als Mitglied der Geschäftsleitung des deutsch-chinesischen Forschungsunternehmens Bicoll Group.


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