Um die Führerschaft über die mobilen Plattformen im Bereich Automotive tobt nach einer Marktanalyse der Consultingfirma Experton Group eine heftige Schlacht zwischen mehreren großen ICT-Anbietern, denn – so Experton: The Winner takes it all.
Als vor gut zwei Jahrzenten erste Bildschirme Einzug in Automobile hielten, wurde vielfach vor der großen Gefahr einer Ablenkung des Fahrzeugführers und damit einhergehend vor einem drastischen Anstieg der Unfallstatistik gewarnt.
Nachdem sich Darstellungen von Straßenkarten und relevanten Fahrzeugdaten jedoch schnell etabliert hatten, machte sich die Fahrzeugindustrie daran, weitere Leistungsoptionen in ihre Systeme zu integrieren. Experton Group unterscheidet in dem Zusammenhang zwischen Embedded Systems rund ums Auto und Personal Systems im Bereich Entertainment, Communication und Office-/Business-Applications. Kurzfristige Innovationen seien vor allem im Bereich der personalisierten Systeme zu erwarten.
Alle namhaften Automobilhersteller haben in den vergangenen Jahren die Option einer Internetanbindung als integralen Bestandteil ihrer Mediasysteme angeboten. Diese Leistungsoptionen wurden und werden heute noch häufig als gegen Entgelt buchbare Services angeboten. Die Inhalte beziehen sich in der Hauptsache auf allgemeine Nachrichtendienste, und der Webzugriff ist in der Regel beschränkt auf spezielle Anbieter-Portalseiten.
Immer deutlicher kristallisiert sich nach Meinung der Analysten jedoch heraus, dass sich die entscheidende Frage nicht mehr nur darum dreht, welche zentrale Technologie im Pkw selbst implementiert ist. Vielmehr führt die Kopplung von Mobiltelefonen/Smartphones und Pkw-Systemen zu Innovationen. Experton: Seit den frühen 1990er Jahren, als IBM den Kampf um den Desktop gegen Microsoft verlor, gab es keine solche Schlacht wie aktuell im Bereich mobiler Plattformen.
Statt der klassischen Anbieter im Bereich Automotive seien es jetzt Namen wie Apple, Google und Microsoft, die maßgeblichen Einfluss auf Neuerungen und Innovationen in der Technologie nähmen, bedingt durch den verbreiteten Einsatz ihrer mobilen Betriebssysteme.
Aktuell kämpfen laut Experton  einige große ICT-Anbieter darum, die Technologie-Führerschaft im Bereich mobiler Plattformen zu übernehmen. Und der Ausgang dieser Schlacht werde evidenten Einfluss auf den Einsatz zukünftiger, technologischer Plattformen inklusive entsprechender Applikationen speziell auch im Bereich Car Technology nehmen.
So plane Daimler zur Markteinführung der neuen A-Klasse im Herbst 2012 die „Digital Drive Style“. Durch diese Schnittstelle werden diverse Funktionen des Mobiltelefons direkt aufs Armaturenbrett übertragen. Andere OEMs  wie BMW und Volkswagen farbeiteten an ähnlichen Lösungen. Pkw-Bildschirme dietnen somit zukünftig nunmehr noch als Ausgabe-/Anzeigeinstrumente, alle relevanten Optionen stellt das Mobilgerät zur Verfügung.
Autokäufer erwarten deshalb eine Reduktion der Anschaffungskosten für Infotainment im hohen zweistelligen Prozentbereich, das belegen aktuelle Befragungen und Analysen  im Automotive-Bereich. Waren bis dato zusätzliche Features in diesem Bereich nur mit vierstelligem Aufpreis für den Pkw erhältlich, so kosten vergleichbare Leistungen durch den Bezug über die Cloud per Smartphone zukünftig nur noch einen Bruchteil davon. Das betrifft sowohl die klassischen Car Systems, wie die Satellitennavigation und das Radio, als auch relativ neue Applikationen wie Internet-TV, Internet-Radio, E-Mail, CRM, Dokumentenverwaltung, Facebook/Google+ oder Twitter.
Alle aktuellen Technologien haben aber einen entscheidenden Nachteil – die eingeschränkte Nutzbarkeit während der Fahrt. Die Systeme schalten in einen Fahrmodus, der nur eine eingeschränkte Nutzung einzelner Funktionen erlaubt, respektive diese vollständig ausschließt, sobald sich das Auto in Bewegung setzt.
Laut Experton Group wird deshalb eine professionelle Sprachsteuerung mehr und mehr Einzug in die Car-Systeme nehmen und deren effektive und vollumfängliche Nutzung auch während des Fahrbetriebs ermöglichen. Das führe zu einem Quantensprung in Sachen Bedienkomfort und Nutzbarkeit – auch von Car-Systemen.
Alles in allem sei der Bereich Mobile Plattformen für Car Systems weniger  technologischer Innovator als als Follower, der Neuerungen und Innovationen aus anderen (Technologie-) Bereichen aufgreife. Damit einher geht aus Sicht  der Consultingfirma eine deutliche Abhängigkeit der klassischen Automobilhersteller und ihrer Zulieferer von den führenden ICT-Anbietern, die schnell weiter zunimmt.

